Kategorie: Allgemein

  • Wachstum bedeutet Abschied

    Wachstum bedeutet Abschied

    Wachstum ist ein Prozess des Heilens, Verstehens und Loslassens. Oft denken wir, dass es beim Wachsen darum geht, das Gute in uns noch besser zu machen. Doch wahres Wachstum bedeutet auch, sich von Teilen unserer selbst zu verabschieden, die uns lange begleitet haben – aber uns heute vielleicht nicht mehr dienen. Diese alten Muster und Glaubenssätze loszulassen kann herausfordernd sein, sind aber notwendig, um wirklich frei zu sein.

    Warum Loslassen Teil des Wachsens ist

    Schutzmechanismen verlieren ihre Notwendigkeit

    Viele unserer Verhaltensweisen haben sich in Reaktion auf schwierige Erfahrungen entwickelt. Perfektionismus, Kontrollzwang oder emotionale Mauern konnten uns einst vor Schmerz bewahren.

    Doch wenn wir wachsen, erkennen wir, dass wir diese Mechanismen nicht mehr brauchen. Sie halten uns oft eher zurück, als dass sie uns nützen.

    Alte Identitäten passen nicht mehr zu uns

    Oft personalisieren wir unsere Muster und Schutzmechanismen und sehen sie als Teil unserer Identität. Vielleicht haben wir uns jahrelang als „die Starke“ oder „den Perfektionisten“ gesehen, doch Wachstum erlaubt uns, sanfter mit uns selbst zu sein. Diese alten Etiketten loszulassen bedeutet, authentischer zu leben.

    Beziehungen und Umfelder können sich verändern

    Wenn wir uns weiterentwickeln, kann es passieren, dass manche Freundschaften oder familiären Dynamiken nicht mehr zu unserem neuen Selbst passen. Das ist schmerzhaft, aber auch eine Chance für gesündere Verbindungen. Loslassen heißt nicht immer, Menschen aus unserem Leben zu streichen – aber es bedeutet, uns nicht mehr in ungesunde Muster hineinziehen zu lassen.

    Alte Glaubenssätze dürfen weichen

    Viele Menschen tragen Überzeugungen mit sich, die aus traumatischen Erfahrungen stammen:

    • „Ich bin nicht gut genug.“
    • „Ich muss es allen recht machen, um geliebt zu werden.“
    • „Schwäche zu zeigen bedeutet, dass ich versage.“

    Diese Gedanken sind nicht unser wahres Selbst, sondern Schutzmechanismen aus der Vergangenheit. Sie loszulassen, ist ein zentraler Schritt beim Wachsen.

    Der schmerzhafte Teil des Abschieds

    Sich von Teilen seines Selbst zu verabschieden, kann sich anfangs unangenehm anfühlen. Diese alten Muster und Überzeugungen haben uns oft lange begleitet – selbst wenn sie uns geschadet haben, gaben sie uns doch auch eine Form von Sicherheit. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt uns Sicherheit zu geben, daher fühlt sich das schmerzhafte Bekannte oft sicherer an, als das völlig Unbekannte.

    Es ist völlig normal, dass dies ein Prozess des Abschieds und der Trauer ist, der seine Zeit dauert. Meine Trauerphase hat tatsächlich einige Monate angehalten, bis ich mich wirklich in meiner neuen Wirklichkeit zurechtfinden konnte.

    Wie man diesen Prozess sanfter gestalten kann

    Erkenne an, dass es schwer sein darf: Es ist okay, Trauer zu fühlen, wenn wir uns von vertrauten Mustern verabschieden. Sich unwohl und komisch zu fühlen, ist normal!

    Sei geduldig mit dir: Wachstum ist kein linearer Prozess, es wird bessere und schlechtere Tage geben.

    Mach dir bewusst, was du gewinnst: Auf deinem Weg erfährst du mehr Freiheit, Authentizität und emotionale Leichtigkeit.

    Hol dir Hilfe: Durch Gespräche mit Menschen, die uns verstehen, oder professionelle Hilfe erhalten wir notwendige Unterstützung und Verbindung.

    Über sich hinauswachsen bringt oft einen Neuanfang

    Wachstum bedeutet nicht nur, Wunden zu schließen – es bedeutet auch, Raum für ein neues Selbst zu schaffen. Loslassen ist kein Zeichen von Verlust, sondern ein Schritt hin zu mehr Echtheit, innerem Frieden und Selbstliebe. Auch wenn es weh tun kann, alte Teile von sich loszulassen, ist es der Weg zu einem Leben, das sich leichter und freier anfühlt.

  • Die Macht der Gedanken

    Die Macht der Gedanken

    Stell dir vor, du wachst morgens auf, fühlst dich energiegeladen und freust dich auf den Tag – egal ob werktags oder am Wochenende. Stell dir vor, dein Körper fühlt sich entspannt, gleichzeitig energiegeladen und kraftvoll an. Stell dir vor, du lernst einfach die Sprache, die du schon immer lernen wolltest oder machst die Reise, die schon lange auf deiner Wunschliste steht. Stell dir vor, du freust dich jeden Tag auf die Arbeit. Stell dir vor, du machst dir um Geld keine Sorgen. Stell dir vor, du bist nur von Menschen umgeben, die dein Leben bereichern. Stell dir vor, du beendest jeden Tag mit viel Dankbarkeit und einer ordentlichen Mütze an Schlaf. Stell dir vor, du lebst ein Leben ohne Angst. Klingt gut, zu gut? Was hält dich zurück?

    Das Wichtigste in Kürze

    • Glaubenssätze sind tief verankerte Stories.
    • Glaubenssätze prägen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.
    • Unsere Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind.
    • Manche Glaubenssätze limitieren uns so sehr, dass sie uns davon abhalten so zu leben und lieben wie wir das gerne möchten.
    • Glaubenssätze lassen sich umschreiben und in positive Affirmationen ändern, die uns von unseren eigenen Limits befreien.

    Die Macht der Gedanken

    Oft unterschätzen wir, wie wirkungsvoll Gedanken tatsächlich sind. Viele tief verankerte Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind. Sie prägen uns tief in unserer Identität und bestimmen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.

    In meiner Kindheit wurde mir immer wieder gesagt, was Mädchen alles nicht dürfen. Jetzt war ich ein Mädchen, das auf Bäume geklettert ist, mit Jungs im Dreck und auf dem Bolzplatz gespielt hat. Mein Umfeld hat mir allerdings regelmäßig widergespiegelt, dass Mädchen das nicht machen. Mädchen tragen Kleidchen, Mädchen machen feine Sachen und gehen ins Ballett.

    Diese Gegensätze, mein authentisches Ich gegen die Regeln meines Umfelds, haben mich in einen dauerhaften Konflikt gebracht, der Jahre an Arbeit gekostet hat, das aufzulösen. Heute folge ich meinem authentischen Ich, statt den Regeln der Gesellschaft zu unterliegen, was mich frei macht.

    Ein Freund folgte dem Glaubenssatz „Emotionen sind nicht mein Parkett!“ Das hat er so verinnerlicht, dass er den Großteil seines Lebens im Kopf verbracht hat und gedacht hat, er könne so wie so nicht das volle Spektrum an Gefühlen sehen, leben und spüren. In seiner Kindheit hat er nie gelernt, mit Emotionen umzugehen, dass jeder das für sich selbst ausmachen muss und man nicht darüber spricht. Wenn sich etwas schwierig, traurig oder einsam angefühlt hat, dann hieß es Augen zu, durch und dabei lächeln. Er hat dadurch nie erfahren, was es heißt, ein Bewusstsein für seine eigenen Bedürfnisse und Emotionen zu haben. Das zeigt sich im Erwachsenenalter durch viele, viele Überstunden, einer Grundhektik und der fehlenden Fähigkeit sich ehrlich verletzlich in Beziehungen zu zeigen.

    Es gibt viele Glaubenssätze, die wir unterbewusst aufgenommen habe:

    • Mädchen liegt Mathematik nicht so!
    • Jungs dürfen keine Gefühle zeigen und müssen immer stark sein!
    • Das große Ziel im Leben ist vor 30 zu heiraten, Kinder zu bekommen und ein Haus zu bauen!
    • Erfolg im Leben heißt, Erfolg im Beruf und in finanzieller Hinsicht zu haben!
    • Familie sind Vater, Mutter und Kind!
    • uswusf.

    Das Schöne ist, dass sich die Gesellschaft in vielen Bereichen öffnet und wir uns von einigen sehr veralteten Glaubenssätzen lösen.

    Andere Beispiele für subtile Glaubenssätze sind:

    Emotionen und Selbstwahrnehmung untergraben

    „Jetzt stell dich nicht so an!“
    Das vermittelt: Deine Gefühle sind übertrieben, du darfst sie nicht so empfinden.
    Besser: „Ich verstehe, dass dich das gerade bewegt. Möchtest du darüber sprechen?“

    „Dafür gibt es doch keinen Grund, traurig zu sein.“
    Das entwertet echte Emotionen und führt dazu, dass Menschen ihre Gefühle nicht mehr ernst nehmen.
    Besser: „Ich sehe, dass dich das trifft. Magst du mir erzählen, was du fühlst?“

    „Sei doch nicht so sensibel!“
    Kontrolliert das emotionale Erleben, indem es Empfindsamkeit als Schwäche darstellt.
    Besser: „Es ist völlig okay, dass dich das berührt.“

    Kontrolle durch Schuldgefühle

    „Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du …“
    Das erzeugt emotionale Erpressung und setzt Liebe mit Gehorsam gleich.
    Besser: „Ich fühle mich schlecht, wenn das passiert. Können wir darüber reden?“

    „Nach allem, was ich für dich getan habe …“
    Kontrolliert durch Schuld und die unausgesprochene Erwartung von Gegenzahlung.
    Besser: „Ich habe das gerne für dich getan und erwarte nichts zurück.“

    „Ich bin nicht wütend, aber ich bin schon enttäuscht …“
    Erzeugt Schuldgefühle und zwingt zur Anpassung an die Erwartungen anderer.
    Besser: „Ich hätte mir das anders gewünscht, aber wir finden eine Lösung.“

    Kontrolle über Verhalten durch Angst oder Druck

    „Pass auf, sonst passiert etwas Schlimmes!“
    Erzeugt Angst als Steuerungsmechanismus, statt echtes Verständnis für Konsequenzen zu wecken.
    Besser: „Es wäre gut, vorsichtig zu sein, weil …“

    „Nur wer hart arbeitet, erreicht etwas im Leben.“
    Verknüpft Selbstwert ausschließlich mit Leistung und verhindert Erholung oder Kreativität.
    Besser: „Erfolg hat viele Faktoren – auch Pausen und Inspiration gehören dazu.“

    „Wer nicht hören will, muss fühlen.“
    Fördert Gehorsam aus Angst statt aus Verständnis.
    Besser: „Es ist wichtig, die Konsequenzen zu verstehen – lass uns drüber reden.“

    „Das gehört sich nicht!“
    Ein vages Argument ohne echte Begründung, um Verhalten zu steuern.
    Besser: „In unserer Kultur wird das oft anders gemacht, aber du kannst selbst entscheiden.“

    „Jungs weinen nicht!“ / „Mädchen sind nicht laut!“
    Fördert Geschlechterklischees und unterdrückt authentische Persönlichkeitsentwicklung.
    Besser: „Gefühle und Ausdruck sind für alle Menschen wichtig.“

    „Du musst dich nur genug anstrengen, dann schaffst du es.“
    Ignoriert äußere Faktoren wie Privilegien, Chancenungleichheit oder Zufall.
    Besser: „Fleiß hilft, aber manchmal braucht es auch Glück und Unterstützung.“

    Kontrolle durch gesellschaftliche Normen

    „Komm schon, lächle mal!“
    Erzwingt eine Emotion und leugnet die aktuelle Gefühlslage.
    Besser: „Ich merke, dass du nicht so gut drauf bist. Ist alles okay?“

    „Du musst einfach positiv denken!“
    Setzt unter Druck, sich nicht mit echten Problemen auseinanderzusetzen.
    Besser: „Ich weiß, es ist schwer. Ich bin für dich da.“

    „Anderen geht es noch viel schlechter als dir.“
    Vergleicht Probleme und macht das eigene Leid ungültig.
    Besser: „Ich verstehe, dass das gerade schwer für dich ist.“

    Wir sind unser eigenes Limit

    Wir haben die Macht, unsere eigenen Glaubenssätze zu verändern und neu zu formen. Aus einem „Ich bin nicht gut genug!“ kann ein „Ich bin gut!“ werden.

    Schreibe dazu einmal alle Glaubenssätze nieder, die du in dir finden kannst. Und dann fange mit einem an, den du anpassen möchtest. Wenn du nicht weißt, welchen du ändern möchtest, dann suche dir den aus, der die positivste Veränderung für dich bringen wird.

    Formuliere den Glaubenssatz in eine positive Affirmation um, zum Beispiel: „Ich kann XY nicht!“, zu „Ich habe noch nicht gelernt, XY zu können, aber ich habe das Potenzial, XY zu lernen.“

    Hänge die positiv formulierte Affirmation präsent auf und betrachte sie mehrmals am Tag.

    Gut Ding will Weile haben

    Auch wenn du dir am Anfang selbst nicht glauben kannst, deine Formulierung liest und denkst, dass das Quatsch ist, unterschätze nicht die Macht der Gedanken. Manchmal braucht es ein paar Tage, manchmal Wochen, Monate oder Jahre Glaubenssätze zu verändern – je nachdem wie tief sie in uns verankert sind.

    Also habe Geduld und sei freundlich zu dir!

  • Sicher oder gefangen? Die Illusion der Kontrolle

    Sicher oder gefangen? Die Illusion der Kontrolle

    Kontrolle vermittelt oft ein Gefühl von Sicherheit, weil sie uns glauben lässt, dass wir Ereignisse, Menschen/Beziehungen oder unsere Umgebung steuern können. Doch dieses Gefühl ist trügerisch, denn echte Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Anpassungsfähigkeit, Vertrauen und Resilienz.

    Wie entsteht das Bedürfnis nach Kontrolle?

    Kontrolle versucht der Angst nach Verletzung entgegenzuwirken. Wenn wir in unserer Vergangenheit Ohnmacht (zum Beispiel durch Missbrauch, Vernachlässigung, einem emotional instabilen Umfeld, …) erlebt haben, versuchen wir durch Kontrolle den erneuten Schmerz zu vermeiden.

    Kontrolle wird dann zu einer Schutzstrategie: „Wenn ich alles im Griff habe, kann mir nichts Schlimmes passieren.“

    Wenn jemand in einem instabilen Umfeld aufgewachsen ist, kann sich die Überzeugung entwickeln: „Ich muss alles selbst regeln, sonst geht es schief.“

    Strenge oder kontrollierende Eltern können ebenfalls dazu führen, dass man als Erwachsener entweder Kontrolle über andere sucht oder sich selbst extrem reguliert.

    Wie zeigt sich Kontrolle in unseren Beziehungen?

    In Beziehungen kann Kontrolle entstehen, wenn man Angst hat, verlassen oder verletzt zu werden. Dies passiert auch oft in unserem Unterbewusstsein, sodass wir gar nicht merken, dass wir versuchen Kontrolle auszuüben.

    Menschen mit unsicherer Bindungserfahrungen (z. B. wechselhafte oder emotional distanzierte Bezugspersonen) neigen dazu, Nähe durch Kontrolle zu sichern.

    Das kann sich allerdings auch komplett gegenteilig äußern. Menschen mit Bindungsangst tendieren daher dazu, Beziehungen, die zu gut laufen, zu beenden. Sie haben Angst, dass der Partner zu Nahe kommt und damit sieht, wie „defekt“ sie sind und sie zurückweist, daher beenden sie die Beziehung, um die Kontrolle zu behalten.

    Helikoptereltern sind ein gutes Beispiel für übermäßige Kontrolle als Schutzmechanismus. Sie versuchen, ihre Kinder vor allen möglichen Gefahren, Fehlern oder Enttäuschungen zu bewahren – oft aus ihren eigenen Ängsten oder Erfahrungen heraus: „Ich will nicht, dass mein Kind das durchmacht, was ich erlebt habe.“

    Es gibt viele weitere, subtilere Beispiele:

    • Der Beifahrer, der immer mit bremst.
    • Die Freundin, die alle Entscheidungen trifft.
    • Der Freund, der in jeder Konversation und bei jedem Treffen dabei sein muss.
    • Die Freundin, die ständig checkt, wo man ist.
    • Der Freund, der dich unterbewusst klein hält.
    • Die Chefin, die jede Kleinigkeit überprüft (Stichwort: Mikromanagement)
    • Der Kollege, der immer helfen will.

    Perfektionismus ist oft auch eine subtile Form der Kontrolle: Wer glaubt, alles perfekt machen zu müssen, versucht unbewusst, Fehler, Kritik oder Ablehnung zu vermeiden. Diese Denkweise entsteht häufig aus Erfahrungen, in denen Fehler oder Schwäche bestraft wurden.

    Warum ist Kontrolle eine Illusion?

    Egal wie sehr wir planen, externe Einflüsse (z. B. das Verhalten anderer Menschen, wirtschaftliche Entwicklungen, Naturereignisse) bleiben unkontrollierbar.

    Wenn wir uns zu sehr auf Kontrolle fixieren, ignorieren wir kreative Lösungen oder Chancen, die sich durch Flexibilität und auch dem Input unserer Mitmenschen ergeben.

    Gerade in Beziehungen rauben wir uns selbst der guten Erfahrungen. Ja, es ist möglich verletzt zu werden, doch man kann keine tiefe Liebe und Verbundenheit ohne echte Verletzlichkeit erfahren!

    Kontrolle gibt uns nur scheinbar Sicherheit, doch wahre innere Stabilität entsteht, wenn wir lernen, mit Unsicherheiten umzugehen, anstatt sie zwanghaft vermeiden zu wollen.

    Der Weg aus dem Kontrollzwang

    • Bewusstmachen: Erkennen, dass Kontrolle eine Schutzstrategie ist, hilft, sie loszulassen.
    • Akzeptanz lernen: Unsicherheit gehört zum Leben – und ist oft weniger bedrohlich, als unser Verstand uns weismachen will.
    • Vertrauen entwickeln: In sich selbst, in andere und in den Prozess des Lebens.
    • Innere Sicherheit aufbauen: Durch Selbstregulation lernen, sich selbst in unsicheren Momenten zu beruhigen.

    Letztendlich ist Kontrolle eine Illusion – aber Vertrauen in sich selbst ist eine echte Stärke.

  • Zwischen Schmerz, Trigger und Überlebensmodus

    Zwischen Schmerz, Trigger und Überlebensmodus

    Das Leben startet in der Regel schon traumatisch, mit der Geburt – meist für Mutter und Kind. Im Laufe unseres Lebens erleben wir viele weitere traumatische Erlebnisse, die uns auf verschiedene Weisen prägen.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Es gibt verschiedene Arten von Trauma.
    • Trauma passiert in unserem Nervensystem.
    • Quasi jeder Mensch hat Entwicklungstraumatas.
    • Unser Körper zeigt uns unser Trauma auf verschiedene Arten.
    • Besonders in Beziehungen zu anderen Menschen kommt unser alter Schmerz an die Oberfläche.
    • Es gibt Trigger, durch die unser Schmerz getriggert wird, was wir mit Überlebensstrategien versuchen zu vermeiden.
    • Indem wir unsere Trigger kennenlernen, haben wir eine Chance auf „Neuprogrammierung“ unserer Muster.

    Was ist ein Trauma eigentlich?

    Im Volksmund ist ein Trauma ein sehr einschneidendes Erlebnis und wird meistens mit großen Events wie einem Todesfall, Autounfall, etc. verbunden.

    Tatsächlich wird zwischen einem Schock- und einem Entwicklungstrauma unterschieden. Während das Schock-Trauma durch ein einmaliges, größeres Event ausgelöst wird, ist das Entwicklungstrauma ein kontinuierlich und sich wiederholendes Ereignis, das alleine nicht groß oder schlimm sein muss. Es prägt sich jedoch in unsere Persönlichkeit ein.

    Ein Entwicklungstrauma hat quasi jeder von uns in unterschiedlichen Ausprägungen. Vermutlich liest du gerade die Zeilen und denkst dir, dass deine Kindheit doch eigentlich ganz wunderbar war und das war sie bestimmt auch! Dennoch gibt es auch in den liebevollsten Familien selten die Kapazität, immer alles „richtigzumachen“!

    Das Entwicklungstrauma im Körper

    Man kann sich ein Trauma so vorstellen, dass bei Gefahr (das kann auch die emotionale Abwesenheit unserer Bezugspersonen sein) unser Körper in einen Ausnahmezustand gerät. Konkret wird das sympathische Nervensystem aktiviert, es werden Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet und der Körper mobilisiert alle notwendigen Reserven, um mit Kampf, Flucht oder Erstarren der Gefahr entgegenzutreten.

    Normalerweise wird nach der Gefahr das parasympathische Nervensystem wieder aktiviert, sodass unser Körper wieder in ein Gleichgewicht kommt. Passiert das nicht, weil unsere Bezugspersonen beispielsweise nicht die Kapazitäten haben, bleibt unser Nervensystem aktiviert. Das ist der Schmerz, der in dem Moment in unserem Körper gespeichert wird.

    Anzeichen eines aktivierten Nervensystems:

    • Anspannungen in Nacken, Rücken und Kiefer
    • regelmäßige Kopfschmerzen und Migräne
    • Rastlosigkeit
    • Konzentrationsschwäche, „Nebel“ im Kopf
    • dissoziative Zustände
    • Schlafprobleme
    • Süchte jeglicher Art
    • Ego-Stories
    • hoher Ruhepuls
    • Workaholic
    • schwaches Immunsystem – man ist dauernd krank
    • Depressionen
    • uvm. …

    Auch ernstere Krankheiten, Autoimmunkrankheiten, ADHS, etc. können Folgen sein. Hier findest du ein Buch, das das ausführlich behandelt: Wenn der Körper nein sagt – Gabor Maté

    Wie wirkt sich das im Erwachsenenalter aus?

    Der Mensch ist auf Beziehungen ausgelegt und sucht bewusst Verbindung mit anderen Menschen – das ist tief in uns veranlagt. Laut Gabor Maté suchen wir uns Freunde und Partner mit einer ähnlichen Tiefe an Trauma aus. Damit ist klar, dass früher oder später unser Schmerz reaktiviert wird. Das passiert häufig durch sogenannte Trigger. Unser Körper möchte den Stress, der in uns ist, loswerden, allerdings kommen dann meistens unsere Überlebensstrategien dazwischen.

    Viele Partnerschaften landen so häufig in einem Teufelskreis (Loop of doom):

    Partner 1 wird getriggert, weil Partner 2 zu lange nicht antwortet. Partner 1 hat Angst vor Bindungsverlust und wurde in seiner Kindheit häufig mit seinen Emotionen zurückgewiesen (der Schmerz). Bei Partner 1 setzt die Überlebensstrategie ein, die versucht, mit mehr Nähe und mehr Kontakt Partner 2 zum Antworten und der gewollten Bestätigung zu bringen. Partner 2 hat allerdings eine Kindheit gehabt, in der nicht über Emotionen und Gefühle geredet wird – er musste damit alleine klarkommen (der Schmerz). Er wird also durch zu viel Nähe getriggert und zieht sich zurück (seine Überlebensstrategie). Das wiederum triggert Partner 1 noch mehr und er versucht Partner 2 stärker zum Antworten zu bringen, was Partner 2 noch mehr triggern und so weiter … der Teufelskreis!

    Das ist ein Beispiel für eine sehr häufige Partnerkonstellation: Partner mit einem ängstlichen Bindungsstil trifft auf einen Partner mit vermeidendem Bindungsstil.

    Was kann ich tun?

    Zusammengefasst:

    • Der Schmerz stammt aus einem Event aus der Vergangenheit und hat selten etwas mit der Gegenwart zu tun.
    • Dieser Schmerz wird mit Triggern, meist von extern, an die Oberfläche geholt.
    • Um den Schmerz zu vermeiden, haben wir uns Überlebensstrategien einfallen lassen.

    Es lässt sich verallgemeinern, dass wenn jemand etwas zu mir sagt, mich das trifft und ich entsprechend reagiere (nicht antworte, laut werde, …), das einen tiefen Schmerz in mir triggert.

    Das einfachste, was du tun kannst, sind deine Trigger beobachten. Wann fühlst du Widerstand in dir? Wann möchtest du am liebsten laut werden oder wegrennen? Wann bist du verletzt, traurig oder wütend?

    Wenn du die Trigger für dich identifizieren kannst, mache eine Pause, bevor du reagierst. Damit können unsere neuen Hirnareale die Reaktion des „Neandertaler“-Hirns überschreiben und du schaffst es über die Zeit einen neuen Umgang in den Situationen zu kreieren.