Stell dir vor, du wachst morgens auf, fühlst dich energiegeladen und freust dich auf den Tag – egal ob werktags oder am Wochenende. Stell dir vor, dein Körper fühlt sich entspannt, gleichzeitig energiegeladen und kraftvoll an. Stell dir vor, du lernst einfach die Sprache, die du schon immer lernen wolltest oder machst die Reise, die schon lange auf deiner Wunschliste steht. Stell dir vor, du freust dich jeden Tag auf die Arbeit. Stell dir vor, du machst dir um Geld keine Sorgen. Stell dir vor, du bist nur von Menschen umgeben, die dein Leben bereichern. Stell dir vor, du beendest jeden Tag mit viel Dankbarkeit und einer ordentlichen Mütze an Schlaf. Stell dir vor, du lebst ein Leben ohne Angst. Klingt gut, zu gut? Was hält dich zurück?
Das Wichtigste in Kürze
- Glaubenssätze sind tief verankerte Stories.
- Glaubenssätze prägen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.
- Unsere Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind.
- Manche Glaubenssätze limitieren uns so sehr, dass sie uns davon abhalten so zu leben und lieben wie wir das gerne möchten.
- Glaubenssätze lassen sich umschreiben und in positive Affirmationen ändern, die uns von unseren eigenen Limits befreien.
Die Macht der Gedanken
Oft unterschätzen wir, wie wirkungsvoll Gedanken tatsächlich sind. Viele tief verankerte Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind. Sie prägen uns tief in unserer Identität und bestimmen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.
In meiner Kindheit wurde mir immer wieder gesagt, was Mädchen alles nicht dürfen. Jetzt war ich ein Mädchen, das auf Bäume geklettert ist, mit Jungs im Dreck und auf dem Bolzplatz gespielt hat. Mein Umfeld hat mir allerdings regelmäßig widergespiegelt, dass Mädchen das nicht machen. Mädchen tragen Kleidchen, Mädchen machen feine Sachen und gehen ins Ballett.
Diese Gegensätze, mein authentisches Ich gegen die Regeln meines Umfelds, haben mich in einen dauerhaften Konflikt gebracht, der Jahre an Arbeit gekostet hat, das aufzulösen. Heute folge ich meinem authentischen Ich, statt den Regeln der Gesellschaft zu unterliegen, was mich frei macht.
Ein Freund folgte dem Glaubenssatz „Emotionen sind nicht mein Parkett!“ Das hat er so verinnerlicht, dass er den Großteil seines Lebens im Kopf verbracht hat und gedacht hat, er könne so wie so nicht das volle Spektrum an Gefühlen sehen, leben und spüren. In seiner Kindheit hat er nie gelernt, mit Emotionen umzugehen, dass jeder das für sich selbst ausmachen muss und man nicht darüber spricht. Wenn sich etwas schwierig, traurig oder einsam angefühlt hat, dann hieß es Augen zu, durch und dabei lächeln. Er hat dadurch nie erfahren, was es heißt, ein Bewusstsein für seine eigenen Bedürfnisse und Emotionen zu haben. Das zeigt sich im Erwachsenenalter durch viele, viele Überstunden, einer Grundhektik und der fehlenden Fähigkeit sich ehrlich verletzlich in Beziehungen zu zeigen.
Es gibt viele Glaubenssätze, die wir unterbewusst aufgenommen habe:
- Mädchen liegt Mathematik nicht so!
- Jungs dürfen keine Gefühle zeigen und müssen immer stark sein!
- Das große Ziel im Leben ist vor 30 zu heiraten, Kinder zu bekommen und ein Haus zu bauen!
- Erfolg im Leben heißt, Erfolg im Beruf und in finanzieller Hinsicht zu haben!
- Familie sind Vater, Mutter und Kind!
- uswusf.
Das Schöne ist, dass sich die Gesellschaft in vielen Bereichen öffnet und wir uns von einigen sehr veralteten Glaubenssätzen lösen.
Andere Beispiele für subtile Glaubenssätze sind:
Emotionen und Selbstwahrnehmung untergraben
„Jetzt stell dich nicht so an!“
Das vermittelt: Deine Gefühle sind übertrieben, du darfst sie nicht so empfinden.
Besser: „Ich verstehe, dass dich das gerade bewegt. Möchtest du darüber sprechen?“
„Dafür gibt es doch keinen Grund, traurig zu sein.“
Das entwertet echte Emotionen und führt dazu, dass Menschen ihre Gefühle nicht mehr ernst nehmen.
Besser: „Ich sehe, dass dich das trifft. Magst du mir erzählen, was du fühlst?“
„Sei doch nicht so sensibel!“
Kontrolliert das emotionale Erleben, indem es Empfindsamkeit als Schwäche darstellt.
Besser: „Es ist völlig okay, dass dich das berührt.“
Kontrolle durch Schuldgefühle
„Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du …“
Das erzeugt emotionale Erpressung und setzt Liebe mit Gehorsam gleich.
Besser: „Ich fühle mich schlecht, wenn das passiert. Können wir darüber reden?“
„Nach allem, was ich für dich getan habe …“
Kontrolliert durch Schuld und die unausgesprochene Erwartung von Gegenzahlung.
Besser: „Ich habe das gerne für dich getan und erwarte nichts zurück.“
„Ich bin nicht wütend, aber ich bin schon enttäuscht …“
Erzeugt Schuldgefühle und zwingt zur Anpassung an die Erwartungen anderer.
Besser: „Ich hätte mir das anders gewünscht, aber wir finden eine Lösung.“
Kontrolle über Verhalten durch Angst oder Druck
„Pass auf, sonst passiert etwas Schlimmes!“
Erzeugt Angst als Steuerungsmechanismus, statt echtes Verständnis für Konsequenzen zu wecken.
Besser: „Es wäre gut, vorsichtig zu sein, weil …“
„Nur wer hart arbeitet, erreicht etwas im Leben.“
Verknüpft Selbstwert ausschließlich mit Leistung und verhindert Erholung oder Kreativität.
Besser: „Erfolg hat viele Faktoren – auch Pausen und Inspiration gehören dazu.“
„Wer nicht hören will, muss fühlen.“
Fördert Gehorsam aus Angst statt aus Verständnis.
Besser: „Es ist wichtig, die Konsequenzen zu verstehen – lass uns drüber reden.“
„Das gehört sich nicht!“
Ein vages Argument ohne echte Begründung, um Verhalten zu steuern.
Besser: „In unserer Kultur wird das oft anders gemacht, aber du kannst selbst entscheiden.“
„Jungs weinen nicht!“ / „Mädchen sind nicht laut!“
Fördert Geschlechterklischees und unterdrückt authentische Persönlichkeitsentwicklung.
Besser: „Gefühle und Ausdruck sind für alle Menschen wichtig.“
„Du musst dich nur genug anstrengen, dann schaffst du es.“
Ignoriert äußere Faktoren wie Privilegien, Chancenungleichheit oder Zufall.
Besser: „Fleiß hilft, aber manchmal braucht es auch Glück und Unterstützung.“
Kontrolle durch gesellschaftliche Normen
„Komm schon, lächle mal!“
Erzwingt eine Emotion und leugnet die aktuelle Gefühlslage.
Besser: „Ich merke, dass du nicht so gut drauf bist. Ist alles okay?“
„Du musst einfach positiv denken!“
Setzt unter Druck, sich nicht mit echten Problemen auseinanderzusetzen.
Besser: „Ich weiß, es ist schwer. Ich bin für dich da.“
„Anderen geht es noch viel schlechter als dir.“
Vergleicht Probleme und macht das eigene Leid ungültig.
Besser: „Ich verstehe, dass das gerade schwer für dich ist.“
Wir sind unser eigenes Limit
Wir haben die Macht, unsere eigenen Glaubenssätze zu verändern und neu zu formen. Aus einem „Ich bin nicht gut genug!“ kann ein „Ich bin gut!“ werden.
Schreibe dazu einmal alle Glaubenssätze nieder, die du in dir finden kannst. Und dann fange mit einem an, den du anpassen möchtest. Wenn du nicht weißt, welchen du ändern möchtest, dann suche dir den aus, der die positivste Veränderung für dich bringen wird.
Formuliere den Glaubenssatz in eine positive Affirmation um, zum Beispiel: „Ich kann XY nicht!“, zu „Ich habe noch nicht gelernt, XY zu können, aber ich habe das Potenzial, XY zu lernen.“
Hänge die positiv formulierte Affirmation präsent auf und betrachte sie mehrmals am Tag.
Gut Ding will Weile haben
Auch wenn du dir am Anfang selbst nicht glauben kannst, deine Formulierung liest und denkst, dass das Quatsch ist, unterschätze nicht die Macht der Gedanken. Manchmal braucht es ein paar Tage, manchmal Wochen, Monate oder Jahre Glaubenssätze zu verändern – je nachdem wie tief sie in uns verankert sind.
Also habe Geduld und sei freundlich zu dir!
