Autor: Nicki

  • Mit seinem Schmerz sitzen – Warum wahre Heilung durch Fühlen geschieht

    Mit seinem Schmerz sitzen – Warum wahre Heilung durch Fühlen geschieht

    Viele Menschen versuchen, ihren emotionalen Schmerz so schnell wie möglich zu vermeiden. Sie lenken sich ab, stürzen sich in Arbeit, Ablenkung oder betäuben sich mit Social Media, Essen oder anderen kurzfristigen Beruhigungen. Doch echte Heilung geschieht nicht durch Verdrängung – sie entsteht, wenn wir lernen, im Schmerz zu sitzen und ihn bewusst zu fühlen.

    Warum fällt es so schwer, Schmerz auszuhalten?

    Unser Nervensystem ist auf Schmerzvermeidung programmiert

    Evolutionär gesehen dient Schmerzvermeidung unserem Überleben. Unser Gehirn behandelt emotionalen Schmerz oft genauso wie körperlichen Schmerz – es sucht nach Möglichkeiten, ihn so schnell wie möglich zu minimieren. Das führt dazu, dass wir automatisch nach Ablenkungen oder schnellen Lösungen greifen, anstatt unsere Emotionen wirklich zu durchleben.

    Wir haben nie gelernt, Emotionen zu halten

    Viele Menschen wurden in ihrer Kindheit darauf konditioniert, Emotionen zu unterdrücken. Sätze wie:

    • „Sei stark.“
    • „Hör auf zu weinen.“
    • „Denk nicht so viel nach.“

    haben uns beigebracht, dass es sicherer ist, Gefühle zu ignorieren, anstatt sie zu fühlen. Doch unterdrückte Emotionen verschwinden nicht – sie bleiben im Körper gespeichert und zeigen sich oft als innere Unruhe, Stress oder psychosomatische Beschwerden.

    Die Gesellschaft vermittelt, dass wir immer „positiv denken“ sollen

    In einer Welt, in der Optimismus oft als Erfolgsfaktor gilt, scheint es keinen Platz für schwierige Emotionen zu geben. Wer traurig oder verletzt ist, wird schnell mit Sätzen wie:

    • „Schau nach vorne.“
    • „Alles passiert aus einem Grund.“
    • „Denk einfach positiv.“

    vertröstet. Doch wahre Heilung entsteht nicht durch das Wegwischen von Gefühlen, sondern durch das bewusste Durchleben und Akzeptieren.

    Was bedeutet es, im Schmerz zu sitzen?

    „Im Schmerz sitzen“ bedeutet, eine emotionale Erfahrung vollständig zuzulassen, ohne sie sofort verändern, analysieren oder verdrängen zu wollen. Es bedeutet:

    • Den Schmerz bewusst wahrzunehmen, ohne davor wegzulaufen.
    • Sich nicht mit Arbeit, Ablenkung oder Social Media zu betäuben.
    • Nicht sofort nach Lösungen zu suchen, sondern einfach zu fühlen.
    • Sich nicht mit dem Schmerz zu identifizieren – du bist nicht der Schmerz, sondern erlebst ihn nur für einen Moment.

    Warum ist es heilsam, den Schmerz auszuhalten?

    Emotionen wollen gefühlt werden, um zu heilen

    Emotionen sind wie Wellen – sie kommen und gehen. Doch wenn wir versuchen, sie zu unterdrücken, bleiben sie stecken. Der Körper speichert sie als Anspannung oder Stress. Erst, wenn wir sie bewusst fühlen, können sie sich auflösen.

    Akzeptanz ist der Schlüssel zur Veränderung

    Heilung beginnt mit der radikalen Annahme: „Ja, es tut weh, und das ist in Ordnung.“ Erst wenn wir den Widerstand gegen den Schmerz aufgeben, verliert er seine Macht über uns.

    Wir lernen, mit uns selbst zu sitzen

    Wer sich immer nach äußeren Lösungen sehnt, flieht vor sich selbst. Doch wenn wir lernen, unseren eigenen Schmerz zu halten, entsteht eine tiefe innere Stabilität. Wir entdecken, dass wir uns selbst genug sind und nicht von äußeren Umständen abhängig sein müssen, um uns sicher zu fühlen.

    Wie kann man lernen, im Schmerz zu sitzen?

    Bewusst atmen und den Körper wahrnehmen

    Anstatt sich im Kopf zu verlieren, hilft es, den Schmerz körperlich zu spüren. Welche Empfindungen sind da? Wo sitzt die Anspannung?

    Den Emotionen Raum geben

    Statt sich abzulenken oder sich zu fragen, „Warum fühle ich mich so?“, einfach beobachten: „Ah, da ist Wut. Da ist Traurigkeit. Ich lasse es einfach da sein.“

    Nicht personalisieren

    Du bist nicht dein Schmerz, sondern erlebst ihn nur. Statt dich mit dem Schmerz zu identifizieren, versuche ihn lieber aus einer Beobachter-Rolle wahrzunehmen. So lässt du ihn zwar zu, erkennst ihn an, personalisierst ihn jedoch nicht.

    Mitgefühl für sich selbst entwickeln

    Sich selbst so trösten, wie man es bei einem geliebten Menschen tun würde: „Es ist okay, dass ich das gerade fühle. Ich bin für mich da.“

    Journaling oder kreative Ausdrucksformen nutzen

    Schreiben oder kreative Tätigkeiten helfen, Gefühle greifbarer zu machen und sie aus dem Inneren nach außen zu bringen.

    Unterstützung suchen

    Manchmal ist es zu schwer, allein mit Schmerz zu sitzen. Ein Gespräch mit einem Therapeuten oder einer vertrauten Person kann helfen, sich sicher genug zu fühlen, um Emotionen zuzulassen.

    Schmerz ist nicht das Problem – unsere Angst davor schon

    Schmerz ist ein natürlicher Teil der menschlichen Erfahrung. Wer sich traut, ihn wirklich zu fühlen, kann sich daraus befreien. Denn Schmerz ist wie eine Welle: Lassen wir ihn zu, ebbt er irgendwann ab. Kämpfen wir dagegen an, bleibt er stecken.

    Wer lernt, mit seinem Schmerz zu sitzen, wird nicht nur freier, sondern auch emotional widerstandsfähiger.

  • Ist ständige Hektik ein Anzeichen für Trauma?

    Ist ständige Hektik ein Anzeichen für Trauma?

    Viele Menschen fühlen sich ständig unter Strom. Ein voller Terminkalender, das Bedürfnis, immer etwas zu tun, Schwierigkeiten, sich zu entspannen – all das kann Anzeichen für ein unreguliertes Nervensystem sein. Oft steckt dahinter nicht nur Stress, sondern unverarbeitetes Trauma.

    Warum zeigt sich Trauma als ständige Unruhe?

    Trauma wirkt nicht nur auf den Geist, sondern hinterlässt Spuren im Körper. Ein Nervensystem, das durch frühere belastende Erfahrungen überaktiviert wurde, kann in einem dauerhaften Alarmzustand bleiben. Das zeigt sich oft in einer inneren Rastlosigkeit, Schwierigkeiten zur Ruhe zu kommen und körperlichen Symptomen wie einem erhöhten Ruhepuls oder Verspannungen.

    Der Körper bleibt im „Kampf- oder Flucht“-Modus

    Das autonome Nervensystem reguliert unsere Reaktionen auf Stress. Wenn Trauma oder chronische Belastung das sympathische Nervensystem dauerhaft aktivieren, bleibt der Körper in einem Zustand erhöhter Wachsamkeit. Selbst wenn keine reale Bedrohung besteht, fühlt sich der Körper oft so, als wäre Gefahr im Verzug.

    Ablenkung als Schutzmechanismus

    Für viele Menschen ist ständige Beschäftigung eine unbewusste Strategie, um unangenehme Gefühle nicht zu spüren. Arbeit, Social Media, Sport oder andere Aktivitäten bieten Ablenkung von Emotionen wie Angst, Trauer oder innerer Leere.

    Kontrolle durch Aktivität

    Ein zentrales Merkmal von Trauma ist das Gefühl des Kontrollverlusts. Wer in der Vergangenheit Ohnmacht oder Hilflosigkeit erlebt hat, versucht oft, durch ständige Aktivität eine Illusion von Kontrolle aufrechtzuerhalten. Das Bedürfnis, immer produktiv zu sein, kann also weniger mit Ehrgeiz als mit einem tieferliegenden Sicherheitsbedürfnis zusammenhängen.

    Die Unfähigkeit zur Entspannung

    Ein gesund reguliertes Nervensystem kann zwischen Aktivität und Ruhe wechseln. Bei einem traumainduzierten Stressmuster fühlt sich Entspannung jedoch unangenehm oder sogar bedrohlich an. In der Stille werden verdrängte Emotionen spürbar, weshalb sich viele Menschen unbewusst durch permanente Aktivität davor schützen.

    Ist es Trauma oder einfach nur ein stressiger Lebensstil?

    Nicht jede Form von Hektik ist ein Anzeichen für Trauma. Manchmal ist es einfach eine stressige Phase. Entscheidend ist, ob das Muster chronisch ist und ob Ruhe sich unangenehm oder gar beängstigend anfühlt. Mögliche Anzeichen für traumainduzierte Unruhe können sein:

    • Ein dauerhaft hoher Ruhepuls oder das Gefühl, nie wirklich abschalten zu können
    • Das Bedürfnis nach ständiger Ablenkung oder Produktivität
    • Unruhe oder Angst, wenn nichts zu tun ist
    • Körperliche Symptome wie Muskelverspannungen, Kopfschmerzen oder Magenprobleme
    • Plötzliche Gereiztheit oder Überforderung bei kleinen Problemen
    • Schlafprobleme, etwa Schwierigkeiten beim Einschlafen oder häufiges Aufwachen

    Wege zur Beruhigung des Nervensystems

    Um aus diesem Zustand der dauerhaften Erregung herauszukommen, braucht das Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit und Entspannung. Einige Ansätze können helfen:

    Bewusst entschleunigen

    Regelmäßige Pausen, Atemübungen oder kurze Momente des Nichtstuns können dabei helfen, das Nervensystem schrittweise an Entspannung zu gewöhnen.

    Körperorientierte Regulation

    Trauma speichert sich oft im Körper. Methoden wie sanfte Bewegung, Körpertherapie oder Vagusnerv-Übungen können helfen, den Stresszyklus zu unterbrechen.

    Sicherheit im Jetzt etablieren

    Das Nervensystem reagiert oft noch auf vergangene Bedrohungen, selbst wenn diese nicht mehr real sind. Bewusst wahrzunehmen, dass die gegenwärtige Situation sicher ist, kann eine entscheidende Veränderung bewirken.

    Therapeutische Unterstützung

    In vielen Fällen ist professionelle Begleitung hilfreich, um tieferliegende Muster zu erkennen und nachhaltig zu verändern.

    Hektik kann ein Trauma-Symptom sein – aber es muss nicht bleiben

    Ein dysreguliertes Nervensystem kann sich sicherer fühlen, wenn es lernt, wieder zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. Ruhe und Entschleunigung sind für viele Menschen anfangs ungewohnt, aber mit der Zeit kann der Körper lernen, dass es möglich ist, ohne Angst zur Ruhe zu kommen.

  • Den Vagusnerv beruhigen – 9 Techniken für mehr innere Ruhe

    Den Vagusnerv beruhigen – 9 Techniken für mehr innere Ruhe

    Den Vagusnerv zu beruhigen ist eine effektive Methode, um Stress abzubauen und das Nervensystem in einen entspannten, regulierten Zustand zu bringen. Der Vagusnerv ist der wichtigste Teil des parasympathischen Nervensystems und hilft, den Körper nach Stress in einen Zustand von Ruhe und Sicherheit zu versetzen. Hier sind einige wissenschaftlich fundierte Methoden, um den Vagusnerv zu stimulieren und zu beruhigen:


    1. Atemtechniken 🧘‍♀️

    Langsames, bewusstes Atmen aktiviert den Vagusnerv und senkt den Stresspegel.

    • 4-7-8-Atmung: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen
    • Kohärentes Atmen: 5 Sekunden einatmen, 5 Sekunden ausatmen
    • Tiefer Bauchatem: Durch die Nase tief in den Bauch atmen, langsam durch den Mund ausatmen

    💡 Warum hilft es?
    Langsames, tiefes Atmen signalisiert dem Gehirn, dass keine Gefahr besteht und aktiviert den ventral-vagalen Zustand (Sicherheit & Entspannung).


    2. Summen & Singen 🎶

    • Summen, singen oder sogar laut sprechen stimuliert den Vagusnerv direkt über die Vibrationen im Halsbereich.
    • Besonders hilfreich: Summen auf einem langen „Mmmmmm“-Ton oder Mantra-Gesänge wie „Om“.

    💡 Warum hilft es?
    Der Vagusnerv verläuft direkt durch die Stimmbänder und den Kehlkopf – Vibrationen aktivieren ihn und beruhigen das Nervensystem.


    3. Kaltes Wasser oder Kälteanwendungen ❄️

    • Gesicht mit kaltem Wasser abspülen
    • Eiswürfel oder eine kalte Kompresse auf den Nacken legen
    • Kalt duschen oder kaltes Wasser über das Gesicht laufen lassen

    💡 Warum hilft es?
    Kälte aktiviert den parasympathischen Zweig des Nervensystems und kann helfen, den Körper aus einem stressigen „Fight-or-Flight“-Modus zu holen.


    4. Körperliche Berührung & sanfter Druck 🤲

    • Sich selbst oder jemandem, dem man vertraut, eine sanfte Umarmung geben
    • Eine Hand auf die Brust legen und bewusst atmen
    • Sanften Druck auf den Nacken oder das Brustbein ausüben
    • Akupressur-Punkte, besonders am Schlüsselbein oder hinter dem Ohr massieren

    💡 Warum hilft es?
    Körperliche Berührung setzt Oxytocin frei, was den Vagusnerv aktiviert und das Gefühl von Sicherheit verstärkt.


    5. Summende oder beruhigende Frequenzen (Binaural Beats & Naturgeräusche) 🎵

    • Frequenzen von 432 Hz oder 528 Hz wirken entspannend.
    • Naturgeräusche wie Meeresrauschen, Regen oder Walgesänge beruhigen das Nervensystem.

    💡 Warum hilft es?
    Der Vagusnerv reagiert auf auditive Reize – sanfte Klänge signalisieren dem Körper Sicherheit.


    6. Bewegung & sanfter Sport 🚶‍♂️

    • Yoga (besonders langsame Bewegungen wie Yin Yoga)
    • Sanftes Dehnen & Mobilisation der Wirbelsäule
    • Spazierengehen in der Natur (barfuß gehen verstärkt den Effekt)

    💡 Warum hilft es?
    Bewegung baut Stresshormone ab und aktiviert das parasympathische Nervensystem.


    7. Lachen & soziale Verbindung 😆

    • Mit Freunden oder Familie lachen – echtes Lachen aktiviert den Vagusnerv.
    • Spielerische Aktivitäten & Freude (Tanzen, Musizieren, kreative Hobbys).

    💡 Warum hilft es?
    Lachen setzt Endorphine frei und reguliert das Nervensystem. Soziale Verbundenheit ist eine der stärksten Möglichkeiten, um Sicherheit zu spüren.


    8. Intervallfasten oder bewusste Ernährung 🍏

    • Langsames, bewusstes Essen aktiviert den Vagusnerv.
    • Probiotische Lebensmittel wie Joghurt, Sauerkraut oder Kombucha fördern die Darm-Hirn-Achse (der Vagusnerv verbindet das Gehirn mit dem Darm).
    • Intervallfasten (z. B. 16:8) kann die vagale Aktivität verbessern.

    💡 Warum hilft es?
    Der Vagusnerv steuert viele Funktionen im Darm – eine gesunde Ernährung unterstützt seine Regulation.


    9. Visualisierung & Dankbarkeit

    • Sich einen sicheren Ort vorstellen (z. B. eine warme Decke, ein geliebter Mensch, eine schöne Erinnerung).
    • Dankbarkeit praktizieren: Jeden Tag drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist.

    💡 Warum hilft es?
    Positive Emotionen stärken den ventral-vagalen Zustand und beruhigen das Nervensystem.


    Beruhigung des Vagusnervs für mehr innere Ruhe

    Der Vagusnerv ist der Schlüssel zur Entspannung und emotionalen Regulation. Wenn du das Gefühl hast, in Stress oder Angst festzustecken, probiere einige dieser Methoden aus und finde heraus, was für dich am besten funktioniert.

  • Eine echte Emotion dauert lediglich 90 Sekunden

    Eine echte Emotion dauert lediglich 90 Sekunden

    Hast du dich jemals gefragt, warum manche Emotionen ewig zu dauern scheinen, während andere schnell vergehen? Die Neurowissenschaftlerin Dr. Jill Bolte Taylor hat eine faszinierende Erkenntnis darüber geteilt: Eine Emotion dauert in ihrer biologischen Reaktion nur 90 Sekunden – wenn wir sie nicht weiter nähren.

    Warum dauern Emotionen nur 90 Sekunden?

    Jede Emotion startet mit einem Reiz. Unser Gehirn nimmt eine Situation wahr, interpretiert sie und sendet dann ein Signal an das limbische System, das für emotionale Verarbeitung zuständig ist. Die wichtigsten Schritte sind:

    1. Ein Reiz trifft unser Gehirn (z. B. eine Nachricht, eine Erinnerung, ein Blick).
    2. Die Amygdala aktiviert eine emotionale Reaktion (z. B. Angst, Wut oder Freude).
    3. Der Körper setzt Stresshormone wie Adrenalin oder Cortisol frei.
    4. Die physiologische Reaktion dauert etwa 90 Sekunden – dann beginnt sie biologisch abzuklingen.

    Das bedeutet: Wenn wir nicht aktiv in die Emotion „einsteigen“ und sie weiter durch unsere Gedanken füttern, ebbt sie innerhalb von 1,5 Minuten von selbst ab.

    Warum fühlen sich Emotionen oft viel länger an?

    Der Grund, warum wir oft stunden- oder tagelang an einer Emotion festhängen, liegt nicht an der Emotion selbst – sondern daran, dass wir sie durch unsere Gedanken verlängern.

    • Wir analysieren: „Warum hat er das gesagt?“
    • Wir wiederholen: „Ich hätte anders reagieren sollen!“
    • Wir steigern uns hinein: „Das war so unfair!“

    Jeder dieser Gedanken reaktiviert die emotionale Reaktion erneut, sodass unser Gehirn weiterhin Stresshormone ausschüttet – und die Emotion viel länger bestehen bleibt, als es biologisch notwendig wäre.

    Wie du Emotionen loslassen kannst

    Wenn du die 90-Sekunden-Regel bewusst anwendest, kannst du lernen, Emotionen zu fühlen, ohne in ihnen stecken zu bleiben. Hier sind einige Tipps:

    1. Beobachte deine Emotion, ohne sie zu bewerten

    Anstatt sofort zu reagieren oder dich in Gedanken zu verstricken, versuche zu beobachten: „Ah, da ist Wut. Mal sehen, wie sie nach 90 Sekunden aussieht.“

    2. Konzentriere dich auf deinen Körper

    Emotionen zeigen sich oft durch körperliche Signale wie Herzklopfen oder Enge im Brustbereich. Atme tief durch und spüre einfach, was in deinem Körper passiert, ohne es zu bewerten.

    3. Unterbrich den Gedankenzyklus

    Wenn du merkst, dass du dich gedanklich in der Emotion verlierst, sage dir bewusst: „Okay, das ist nur ein Gedanke – muss ich ihn weiterverfolgen?“ Eine kleine Ablenkung (z. B. ein Spaziergang oder Musik) kann helfen, den Zyklus zu durchbrechen.

    4. Lasse Emotionen vorbeiziehen wie Wolken

    Stelle dir deine Emotionen wie Wolken am Himmel vor. Sie kommen, aber sie gehen auch wieder. Du bist nicht deine Emotion – du erlebst sie nur für einen Moment.

    Emotionen sind wie Wellen – wir müssen nicht in jeder baden

    Die 90-Sekunden-Regel zeigt, dass Emotionen flüchtig sind, wenn wir sie nicht künstlich verlängern. Indem wir bewusst beobachten, anstatt uns hineinzusteigern, können wir gelassener mit unseren Gefühlen umgehen und uns schneller wieder in Balance bringen.

  • It’s all about Sicherheit

    It’s all about Sicherheit

    Wir Menschen sind evolutionär auf Verbindung geeicht – ohne Verbindung können wir nicht überleben (Stichwort: Kaspar-Hauser-Experiment)! Verbindung gibt es in den verschiedensten Formen und kann durch das Wort „Liebe“ vereinfacht werden.

    Schon von klein auf sehnen wir uns nach der Liebe unserer Bezugspersonen, im Erwachsenenalter wollen wir die Liebe unserer Freunde und Partner.

    Wenn wir jetzt etwas philosophischer werden, könnte man sogar so weit gehen und sagen, dass unser gesamtes Handeln darauf ausgelegt ist, Liebe zu bekommen. Was genau ich damit meine, werde ich später genauer beschreiben.

    Welche Formen der Liebe gibt es?

    Als Erstes gibt es die Liebe zu unseren Eltern und engen Bezugspersonen aus der Kindheit. Diese ist tief in uns verankert und meist suchen wir danach am stärksten. Sie prägt uns, wie wir später Liebe für uns selbst und andere empfinden und leben können.

    Die Liebe zu unseren Kindern ist eine ganz besondere Form von Liebe. Sie ist ebenfalls tief in uns verankert und lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Sie ist einfach da und wird auch nie wieder gehen.

    Wir spüren auch Liebe zu unseren Freunden. Freundschaften sind spezielle Verbindungen, die uns entweder durch bestimmte Phasen des Lebens begleiten oder in manchen Fällen sogar ein Leben lang da sind.

    Die romantische Liebe ist die intimste und häufig auch herausforderndste Form der Liebe. Wie auch in Freundschaften haben wir keinen Einfluss darauf, ob unsere Liebe erwidert wird.

    Die wichtigste Form ist die Selbstliebe. Ohne sie haben wir keine Kapazität, anderen Liebe zu geben. Die Selbstliebe liegt zu 100 % in unserer eigenen Verantwortung.

    Es gibt noch weitere Formen von Liebe, zum Beispiel Haustieren gegenüber, oder gegenüber einem/dem Gott für religiöse Menschen.

    Was ich nicht als Liebe bezeichnen möchte, ist die Liebe gegenüber Gegenständen oder Hobbys. Der Unterschied für mich ist hier, dass wir keine Verbindung spüren können, sondern das eher eine Art von Erfüllung und Freude darstellt.

    Was hat Liebe mit Sicherheit zu tun?

    Unser Nervensystem sucht nach Sicherheit – man bedenke, dass der Tod früher viel präsenter war, als er jetzt ist. Eine Hauptaufgabe unseres Nervensystems ist es daher, uns in Sicherheit zu wissen! Sich sicher zu fühlen, bedeutet für unser Nervensystem natürlich die physische, aber auch die emotionale Sicherheit. Wie eingangs schon erwähnt, ist die Verbindung mit anderen Menschen für uns überlebenswichtig!

    Wenn wir davon ausgehen, dass eines unserer größten Bedürfnisse im Leben die Liebe, respektive die Verbundenheit zu wichtigen Menschen ist, dann können wir unser Handeln von einer anderen Perspektive beleuchten.

    Nehmen wir jemanden, der die Tendenz hat, zu viel zu arbeiten. Diese Person kann oft schlecht Grenzen setzen und spürt den Drang, den Kollegen, dem Chef oder dem Kunden zu helfen – nicht selten auf Kosten eigener Bedürfnissen und seiner Gesundheit. Wo ist hier die Selbstliebe?

    Ein weiterer Antrieb kann die Anerkennung der Leistung sein. Wenn ich viel arbeite, eine steile Karriere habe und gut Geld verdiene, dann erhalte ich Anerkennung. Wenn man jetzt die Perspektive umdreht, dann hat dieser Mensch Angst davor nicht geliebt zu werden, wenn er nicht leistet und liefert: Er als Mensch fühlt sich nicht gut genug und muss sich die Liebe erst verdienen!

    Nun bringen wir den Sicherheitsaspekt ein und verändern die Perspektive erneut aus der Sicht von jemandem, der sicher in sich selbst ist: Ich arbeite gerne viel, da ich es liebe zu lernen und an meinen Herausforderungen zu wachsen. Ich arbeite aber nicht zu viel, weil ich genügend Selbstliebe und Achtsamkeit besitze, um rechtzeitig meine Grenzen zu setzen. Auch arbeite ich nicht um, im Außen eine Bestätigung zu erhalten, sondern um einen Wert für mich, mein Umfeld oder in der Welt zu schaffen.

    Der randalierende Jugendliche, der durchweg nur provoziert und „sich einfach nicht benehmen kann“, ist genauso auf der Suche nach seinem Platz und nach Liebe, wie der Narzisst, der permanent sein Umfeld manipuliert, oder der Workaholic.

    Diese Menschen handeln allerdings aus Angst heraus, nicht geliebt zu werden. Was wäre, wenn wir den Spieß umdrehen und aus Liebe, statt aus Angst handeln?

    Der Schlüssel ist die Selbstliebe – die Sicherheit in uns selbst

    Die meisten Menschen suchen zuerst nach der Liebe im Außen und für Kinder ist das überlebenswichtig. Als Erwachsener liegt der Schlüssel jedoch in unserem Inneren.

    Wir können die Sicherheit in uns selbst stärken, indem wir

    • … lernen, Zeit alleine zu verbringen.
    • … uns nach Innen, statt nach Außen zu orientieren.
    • … Schmerz und unangenehme Gefühle, die aufkommen, passieren zu lassen, ohne zu urteilen und ohne sie vermeiden zu wollen.
    • … uns Hilfe bei Menschen, die uns verstehen, oder professioneller Art zu holen.
    • … uns von alten Glaubenssätzen und Ego-Storys lösen.
    • … uns von ungesunden Beziehungen und Dynamiken lösen.
    • … Achtsamkeit lernen. Eine Übung hierfür: Welche 5 Dinge siehst, hörst, riechst, fühlst du gerade?
    • … auf unser Bauchgefühl hören.
    • … uns so wahrnehmen, wie wir über uns selbst reden. Rede freundlich und wohlwollend über dich und zu dir!

    Sicher in sich selbst zu sein und aus Liebe für sich und andere handeln heißt zum Beispiel:

    • Gerne alleine Zeit zu verbringen
    • Seine Bedürfnisse zu kennen, zu priorisieren und formulieren zu können und umgekehrt auch die Bedürfnisse anderer anerkennen und akzeptieren zu können
    • Grenzen setzen zu können und Grenzen anderer zu wahren
    • Einen Menschen, den man liebt, ziehen zu lassen, wenn es nötig ist
    • Völlig präsent in der Interaktion mit anderen zu sein
    • Entscheidungen ohne Angst treffen zu können
    • Für sich einstehen zu können
    • Ohne Urteil über andere und sich selbst leben zu können

    Wir haben nun viel über die emotionale Sicherheit gesprochen, die allerdings eine physische Sicherheit voraussetzt. Vielen Menschen auf der Welt ist diese Sicherheit vorenthalten und sie sind von häuslicher Gewalt, Krieg und anderer Art von Gewalt betroffen. Es ist daher für jeden ein Privileg, der physisch sicher ist und die Chance hat, beide Formen von Sicherheit fühlen zu dürfen!

  • Wer rennt, verliert!

    Wer rennt, verliert!

    Alle sehnen sich danach: nach tiefer Verbundenheit, großen Gefühlen – den einen Menschen zu finden, mit dem sie sich sicher und geborgen fühlen. In der Realität habe ich viele Menschen getroffen, die exakt die Chance dazu hatten, am Ende aber doch weggerannt sind, warum?

    Die ersten Phasen einer Beziehung

    Phase 1: Verliebtheit

    Wenn wir einen Menschen finden, zu dem wir uns hingezogen fühlen, dann passieren verschiedene Dinge in unserem Körper. Zu Beginn wird jede Menge Dopamin ausgeschüttet, das als das Glückshormon gilt. Es macht uns aufgeregt und lässt uns „Liebe“ fühlen. In der Phase tolerieren wir die Eigenheiten unseres Partners und sehen alles durch die rosarote Brille.

    Wir können uns aber sicher sein, dass wir uns auch einen Partner mit der gleichen Tiefe an Trauma ausgesucht haben und das schon bald herausfordernd für uns wird.

    Phase 2: Wer bis du wirklich?

    Nach der ersten Verliebtheitsphase kommt der kritischste Teil in Beziehungen, der Übergang in die verbindlichere Phase (nach ca. 1 – 2 Jahren) – in der Phase trennen sich übrigens die meisten Paare. Unser Körper kann das Level an Dopamin nicht ewig aufrecht halten, was in dieser Phase durch Oxytocin abgelöst wird.

    Viele haben dann das Gefühl, dass die „Liebe“ weg ist – was aber lediglich einen Wechsel in tiefere Verbundenheit einläutet.

    In der Regel werden jetzt auch die ersten Trigger aktiv, sodass sich die Spreu vom Weizen trennt.

    Es folgen über die Jahre weitere Phasen, auf die ich in diesem Artikel nicht eingehen werde.

    Was passiert mit den Triggern?

    Ein erster Konflikt, gefühlte Erwartungen, nicht mehr die gleiche Verbundenheit, Traurigkeit, Überforderung, Wunsch nach Distanz und viele weitere Gefühle, die wir als negativ empfinden, können in der zweiten Phase auftauchen.

    Wer jetzt rennt, verliert! Denn was in dem Moment passiert, hat in der Regel nichts mit unserem Partner und der Beziehung (sie dienen lediglich als Spiegel), sondern mit alten Verletzungen aus früheren Beziehungen und unserer Kindheit zu tun. Mit dem richtigen Partner (jemandem, der uns dort abholt, wo wir stehen und bei dem wir uns sicher fühlen), haben wir die Chance diese alten Wunden zu verarbeiten. Aber, das braucht von beiden Partnern gleichermaßen die Bereitschaft, sich seinen Ängsten zu stellen, in die Kommunikation und in die Arbeit zu gehen – und rennen wirkt da oft einfacher.

    Was passiert, wenn man rennt?

    Das Lustige ist, dass das in der Regel meist gleich abläuft. Jemand, der rennt, spürt in den ersten Wochen/Monaten eine große Erleichterung (der Druck sich verletzlich zu zeigen und vermeintliche Erwartungen zu erfüllen ist sofort weg).

    Storys, die das Ego dann gerne erzählt:

    • „Mit dem richtigen Partner wäre es einfach!“
    • „Ich bin stark, weil ich aus der Beziehung gehe!“
    • „Die Beziehung hat so viel Kraft gekostet, gut, dass ich wieder alleine bin!“
    • „Alleine komme ich besser zurecht!“
    • „Mein Partner war so bedürftig!“
    • „Es war nicht der richtige Zeitpunkt!“
    • „Es war keine echte Liebe!“

    Das geht dann fließend in die Phase der Ablenkung über, denn nachdem der erste Druck weg ist, kommen unangenehme Gefühle hoch vor denen man lieber wegrennt. So wird der Tag mit Terminen vollgestopft, sich in die Arbeit gekniet, am Wochenende gefeiert bis zum Umfallen und verreist – Hauptsache man rennt weiter.

    Häufig wird auch in eine neue Partnerschaft gehüpft – nicht selten eine alte aufgewärmt – weil es so noch einfacher ist vor seinen Gefühlen wegzurennen. Das Muster wird sich in den nächsten Beziehungen wiederholen und vor allem sogenannte Rebound Beziehungen halten selten lange. Hieraus kann sich auch übrigens der Glaubenssatz „Ich bin nicht für Beziehungen geeignet! / Ich bin glücklicher alleine!“ entwickeln!

    Irgendwann, wenn man sich sicher fühlt und denkt, man hat alles im Griff, kommt der große Schlag – die Reue! Man realisiert, was man vielleicht doch alles verloren hat und dass die Entscheidung vielleicht eher aus Angst getroffen wurde.

    Entweder werden jetzt Brotkrumen ausgelegt, quasi vorsichtiges Prüfen, ob der Partner noch verfügbar ist, oder die Angst vor Zurückweisung ist zu groß und man redet sich ein, dass es eh das Beste war.

    Was es dann braucht, um der Beziehung doch noch eine Chance zu geben, ist eine klare Kommunikation, den Willen zu reparieren, was man kaputt gemacht hat und die Bereitschaft sich seinen Themen zu widmen – das erfordert viel Mut!

    Was passiert, wenn man nicht rennt?

    Ist man getriggert, lebt man eine ganze Weile im Unbehagen (wechselhaft Tage, Wochen oder auch Monate). Das Ego erzählt Storys, der Körper macht komische Dinge und man tut sich schwer eine Nähe zum Partner aufzubauen. Wichtig ist, dass man sich Zeit lässt und keine Entscheidungen in solchen Momenten trifft. Wichtig ist auch, dass man sich auf sich und seine Bedürfnisse konzentriert. Brauchst du Zeit, kommuniziere! Brauchst du ein offenes Ohr, kommuniziere! Brauchst du einfach eine Umarmung, kommuniziere! Brauchst du Raum für dich, kommuniziere! Mit dem richtigen Partner an der Seite lässt es sich durch diese Phase des Unbehagens navigieren.

    Bei mir ging das Unbehagen so weit, dass ich einige Zeit Herzrhythmusstörungen hatte, für die klinisch keine Ursache gefunden wurde.

    Wichtig: Die Antworten und Lösungen liegen nicht im Außen. Es ist in diesem Moment nicht die Beziehung, die Familie, der Job, sondern eine Reflexion unserer Vergangenheit – wir finden, was wir brauchen in unserem Inneren.

    Tritt das erste Mal ein solcher Trigger auf, kann das seltsam und beängstigend sein. Folgen wir unseren alten Überlebensmustern, wiederholen wir die Situation wieder und wieder. Schaffen wir es innezuhalten und uns Zeit zu geben, unsere Reaktion darauf an unser Erwachsenen-Ich anzupassen, schaffen wir uns Stück für Stück neue und gesunde Muster.

    Das Schöne ist, dass es beiden Partnern so gehen wird und Trigger für beide in unterschiedlichen Formen und Intensitäten auftauchen werden.

    Wenn beide Partner gewillt sind, die Verantwortung für ihren Teil zu übernehmen, offen und respektvoll zu kommunizieren und gemeinsam durch dieses Tal der Trigger zu navigieren, wird die Beziehung genau diese Tiefe und Verbundenheit haben, nach der wir uns alle sehen! Der Weg durchs Tal braucht etwas Zeit, ist manchmal ziemlich anstrengend, hält aber nicht ewig an. Und wer jetzt rennt, verliert sowieso!

  • Wachstum bedeutet Abschied

    Wachstum bedeutet Abschied

    Wachstum ist ein Prozess des Heilens, Verstehens und Loslassens. Oft denken wir, dass es beim Wachsen darum geht, das Gute in uns noch besser zu machen. Doch wahres Wachstum bedeutet auch, sich von Teilen unserer selbst zu verabschieden, die uns lange begleitet haben – aber uns heute vielleicht nicht mehr dienen. Diese alten Muster und Glaubenssätze loszulassen kann herausfordernd sein, sind aber notwendig, um wirklich frei zu sein.

    Warum Loslassen Teil des Wachsens ist

    Schutzmechanismen verlieren ihre Notwendigkeit

    Viele unserer Verhaltensweisen haben sich in Reaktion auf schwierige Erfahrungen entwickelt. Perfektionismus, Kontrollzwang oder emotionale Mauern konnten uns einst vor Schmerz bewahren.

    Doch wenn wir wachsen, erkennen wir, dass wir diese Mechanismen nicht mehr brauchen. Sie halten uns oft eher zurück, als dass sie uns nützen.

    Alte Identitäten passen nicht mehr zu uns

    Oft personalisieren wir unsere Muster und Schutzmechanismen und sehen sie als Teil unserer Identität. Vielleicht haben wir uns jahrelang als „die Starke“ oder „den Perfektionisten“ gesehen, doch Wachstum erlaubt uns, sanfter mit uns selbst zu sein. Diese alten Etiketten loszulassen bedeutet, authentischer zu leben.

    Beziehungen und Umfelder können sich verändern

    Wenn wir uns weiterentwickeln, kann es passieren, dass manche Freundschaften oder familiären Dynamiken nicht mehr zu unserem neuen Selbst passen. Das ist schmerzhaft, aber auch eine Chance für gesündere Verbindungen. Loslassen heißt nicht immer, Menschen aus unserem Leben zu streichen – aber es bedeutet, uns nicht mehr in ungesunde Muster hineinziehen zu lassen.

    Alte Glaubenssätze dürfen weichen

    Viele Menschen tragen Überzeugungen mit sich, die aus traumatischen Erfahrungen stammen:

    • „Ich bin nicht gut genug.“
    • „Ich muss es allen recht machen, um geliebt zu werden.“
    • „Schwäche zu zeigen bedeutet, dass ich versage.“

    Diese Gedanken sind nicht unser wahres Selbst, sondern Schutzmechanismen aus der Vergangenheit. Sie loszulassen, ist ein zentraler Schritt beim Wachsen.

    Der schmerzhafte Teil des Abschieds

    Sich von Teilen seines Selbst zu verabschieden, kann sich anfangs unangenehm anfühlen. Diese alten Muster und Überzeugungen haben uns oft lange begleitet – selbst wenn sie uns geschadet haben, gaben sie uns doch auch eine Form von Sicherheit. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt uns Sicherheit zu geben, daher fühlt sich das schmerzhafte Bekannte oft sicherer an, als das völlig Unbekannte.

    Es ist völlig normal, dass dies ein Prozess des Abschieds und der Trauer ist, der seine Zeit dauert. Meine Trauerphase hat tatsächlich einige Monate angehalten, bis ich mich wirklich in meiner neuen Wirklichkeit zurechtfinden konnte.

    Wie man diesen Prozess sanfter gestalten kann

    Erkenne an, dass es schwer sein darf: Es ist okay, Trauer zu fühlen, wenn wir uns von vertrauten Mustern verabschieden. Sich unwohl und komisch zu fühlen, ist normal!

    Sei geduldig mit dir: Wachstum ist kein linearer Prozess, es wird bessere und schlechtere Tage geben.

    Mach dir bewusst, was du gewinnst: Auf deinem Weg erfährst du mehr Freiheit, Authentizität und emotionale Leichtigkeit.

    Hol dir Hilfe: Durch Gespräche mit Menschen, die uns verstehen, oder professionelle Hilfe erhalten wir notwendige Unterstützung und Verbindung.

    Über sich hinauswachsen bringt oft einen Neuanfang

    Wachstum bedeutet nicht nur, Wunden zu schließen – es bedeutet auch, Raum für ein neues Selbst zu schaffen. Loslassen ist kein Zeichen von Verlust, sondern ein Schritt hin zu mehr Echtheit, innerem Frieden und Selbstliebe. Auch wenn es weh tun kann, alte Teile von sich loszulassen, ist es der Weg zu einem Leben, das sich leichter und freier anfühlt.

  • Die Polyvagal-Theorie: Wie unser Nervensystem auf Sicherheit und Gefahr reagiert

    Die Polyvagal-Theorie: Wie unser Nervensystem auf Sicherheit und Gefahr reagiert

    Die Polyvagal-Theorie wurde von Dr. Stephen Porges entwickelt und bietet ein tiefgehendes Verständnis darüber, wie unser Nervensystem auf Stress, Sicherheit und soziale Interaktionen reagiert. Sie erklärt, warum wir uns in manchen Situationen entspannt und verbunden fühlen, während wir in anderen gestresst oder sogar gar nicht reagieren. Doch was genau steckt hinter dieser Theorie, und wie können wir sie nutzen, um unser Wohlbefinden zu verbessern?

    Das autonome Nervensystem und die drei Zustände

    Das autonome Nervensystem (ANS) reguliert unsere körperlichen Reaktionen auf die Umwelt und steuert unterbewusst Funktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung. Die Polyvagal-Theorie beschreibt drei Hauptzustände, die durch den Vagusnerv vermittelt werden:

    1. Der ventral-vagale Zustand: Sicherheit & soziale Verbundenheit

    Dieser Zustand wird vom ventralen (vorderen) Teil des Vagusnervs gesteuert und führt zu:

    • Einem Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit
    • Sozialer Offenheit und zwischenmenschlicher Verbindung
    • Entspannung, Kreativität und Freude

    Wenn wir uns in diesem Zustand befinden, sind wir in der Lage, klar zu denken, Mitgefühl zu empfinden und flexibel auf unsere Umwelt zu reagieren. Unser Körper kann optimal regenerieren und wir fühlen uns wohl in sozialen Interaktionen.

    2. Der sympathische Zustand: Kampf- oder Fluchtreaktion

    Wenn unser Nervensystem potenzielle Gefahren wahrnimmt, wird der sympathische Zweig des ANS aktiviert. Dies führt zu:

    • Erhöhter Herzfrequenz und Atemfrequenz
    • Muskelspannung und erhöhter Wachsamkeit
    • Erhöhter Stressreaktion mit Adrenalin-Ausstoß

    In diesem Modus bereitet sich unser Körper darauf vor, entweder zu kämpfen oder zu fliehen. Dies ist eine evolutionäre Schutzreaktion, die uns in Gefahrensituationen hilft. Bleiben wir jedoch zu lange in diesem Zustand, kann es zu chronischem Stress, Angst oder Erschöpfung kommen.

    3. Der dorsal-vagale Zustand: Erstarrung & Abschaltung

    Wenn das Nervensystem die Bedrohung als überwältigend wahrnimmt und weder Kampf noch Flucht möglich erscheinen, aktiviert sich der dorsale (hintere) Vagusnerv. Dies führt zu:

    • Gefühlen von Taubheit, Hoffnungslosigkeit und Resignation
    • Energieverlust und Erschöpfung
    • Dissoziation (das Gefühl, von sich selbst oder der Umwelt getrennt zu sein)

    Dieser Zustand tritt oft auf, wenn wir zu lange in der sympathischen Aktivierung befinden, sich das nicht ändert und wir uns machtlos fühlen. Der Körper schaltet in eine „Notabschaltung“, um sich vor weiterem Schaden zu schützen.

    Wie wir unser Nervensystem regulieren können

    Das Ziel ist es, mehr Zeit im ventral-vagalen Zustand zu verbringen und schneller dorthin zurückzukehren, wenn wir in Stress geraten. Hier sind einige Methoden, um das Nervensystem zu beruhigen:

    1. Atemtechniken

    Langsames, tiefes Atmen (z. B. durch die Nase einatmen und doppelt so lange ausatmen) kann das parasympathische Nervensystem aktivieren und helfen, Stress zu reduzieren.

    2. Soziale Interaktion

    Da der ventrale Vagusnerv soziale Verbundenheit fördert, hilft der Austausch mit vertrauenswürdigen Menschen, sich sicherer zu fühlen und den Stresspegel zu senken.

    3. Bewegung & Natur

    Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Tanzen kann helfen, sympathische Anspannung abzubauen. Naturerlebnisse haben nachweislich eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem.

    4. Körperliche Selbstregulation

    Druck auf bestimmte Körperstellen (z. B. die Brust sanft halten oder sich umarmen) kann das Nervensystem stabilisieren.

    5. Achtsamkeit & Meditation

    Achtsamkeitsübungen können helfen, das Bewusstsein für körperliche Reaktionen zu erhöhen und dadurch gezielt zu regulieren.

    ℹ️ Es folgt ein Blog-Artikel mit einfachen Möglichkeiten, den Vagusnerv zu aktivieren.

    Ein reguliertes Nervensystem bedeutet mehr innere Ruhe, bessere Beziehungen und eine insgesamt höhere Lebensqualität.

  • Die Macht der Gedanken

    Die Macht der Gedanken

    Stell dir vor, du wachst morgens auf, fühlst dich energiegeladen und freust dich auf den Tag – egal ob werktags oder am Wochenende. Stell dir vor, dein Körper fühlt sich entspannt, gleichzeitig energiegeladen und kraftvoll an. Stell dir vor, du lernst einfach die Sprache, die du schon immer lernen wolltest oder machst die Reise, die schon lange auf deiner Wunschliste steht. Stell dir vor, du freust dich jeden Tag auf die Arbeit. Stell dir vor, du machst dir um Geld keine Sorgen. Stell dir vor, du bist nur von Menschen umgeben, die dein Leben bereichern. Stell dir vor, du beendest jeden Tag mit viel Dankbarkeit und einer ordentlichen Mütze an Schlaf. Stell dir vor, du lebst ein Leben ohne Angst. Klingt gut, zu gut? Was hält dich zurück?

    Das Wichtigste in Kürze

    • Glaubenssätze sind tief verankerte Stories.
    • Glaubenssätze prägen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.
    • Unsere Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind.
    • Manche Glaubenssätze limitieren uns so sehr, dass sie uns davon abhalten so zu leben und lieben wie wir das gerne möchten.
    • Glaubenssätze lassen sich umschreiben und in positive Affirmationen ändern, die uns von unseren eigenen Limits befreien.

    Die Macht der Gedanken

    Oft unterschätzen wir, wie wirkungsvoll Gedanken tatsächlich sind. Viele tief verankerte Glaubenssätze stammen aus unserem familiären Umfeld und der Gesellschaft, in der wir groß geworden sind. Sie prägen uns tief in unserer Identität und bestimmen, wie wir uns selbst und unsere Umwelt wahrnehmen.

    In meiner Kindheit wurde mir immer wieder gesagt, was Mädchen alles nicht dürfen. Jetzt war ich ein Mädchen, das auf Bäume geklettert ist, mit Jungs im Dreck und auf dem Bolzplatz gespielt hat. Mein Umfeld hat mir allerdings regelmäßig widergespiegelt, dass Mädchen das nicht machen. Mädchen tragen Kleidchen, Mädchen machen feine Sachen und gehen ins Ballett.

    Diese Gegensätze, mein authentisches Ich gegen die Regeln meines Umfelds, haben mich in einen dauerhaften Konflikt gebracht, der Jahre an Arbeit gekostet hat, das aufzulösen. Heute folge ich meinem authentischen Ich, statt den Regeln der Gesellschaft zu unterliegen, was mich frei macht.

    Ein Freund folgte dem Glaubenssatz „Emotionen sind nicht mein Parkett!“ Das hat er so verinnerlicht, dass er den Großteil seines Lebens im Kopf verbracht hat und gedacht hat, er könne so wie so nicht das volle Spektrum an Gefühlen sehen, leben und spüren. In seiner Kindheit hat er nie gelernt, mit Emotionen umzugehen, dass jeder das für sich selbst ausmachen muss und man nicht darüber spricht. Wenn sich etwas schwierig, traurig oder einsam angefühlt hat, dann hieß es Augen zu, durch und dabei lächeln. Er hat dadurch nie erfahren, was es heißt, ein Bewusstsein für seine eigenen Bedürfnisse und Emotionen zu haben. Das zeigt sich im Erwachsenenalter durch viele, viele Überstunden, einer Grundhektik und der fehlenden Fähigkeit sich ehrlich verletzlich in Beziehungen zu zeigen.

    Es gibt viele Glaubenssätze, die wir unterbewusst aufgenommen habe:

    • Mädchen liegt Mathematik nicht so!
    • Jungs dürfen keine Gefühle zeigen und müssen immer stark sein!
    • Das große Ziel im Leben ist vor 30 zu heiraten, Kinder zu bekommen und ein Haus zu bauen!
    • Erfolg im Leben heißt, Erfolg im Beruf und in finanzieller Hinsicht zu haben!
    • Familie sind Vater, Mutter und Kind!
    • uswusf.

    Das Schöne ist, dass sich die Gesellschaft in vielen Bereichen öffnet und wir uns von einigen sehr veralteten Glaubenssätzen lösen.

    Andere Beispiele für subtile Glaubenssätze sind:

    Emotionen und Selbstwahrnehmung untergraben

    „Jetzt stell dich nicht so an!“
    Das vermittelt: Deine Gefühle sind übertrieben, du darfst sie nicht so empfinden.
    Besser: „Ich verstehe, dass dich das gerade bewegt. Möchtest du darüber sprechen?“

    „Dafür gibt es doch keinen Grund, traurig zu sein.“
    Das entwertet echte Emotionen und führt dazu, dass Menschen ihre Gefühle nicht mehr ernst nehmen.
    Besser: „Ich sehe, dass dich das trifft. Magst du mir erzählen, was du fühlst?“

    „Sei doch nicht so sensibel!“
    Kontrolliert das emotionale Erleben, indem es Empfindsamkeit als Schwäche darstellt.
    Besser: „Es ist völlig okay, dass dich das berührt.“

    Kontrolle durch Schuldgefühle

    „Wenn du mich wirklich lieben würdest, würdest du …“
    Das erzeugt emotionale Erpressung und setzt Liebe mit Gehorsam gleich.
    Besser: „Ich fühle mich schlecht, wenn das passiert. Können wir darüber reden?“

    „Nach allem, was ich für dich getan habe …“
    Kontrolliert durch Schuld und die unausgesprochene Erwartung von Gegenzahlung.
    Besser: „Ich habe das gerne für dich getan und erwarte nichts zurück.“

    „Ich bin nicht wütend, aber ich bin schon enttäuscht …“
    Erzeugt Schuldgefühle und zwingt zur Anpassung an die Erwartungen anderer.
    Besser: „Ich hätte mir das anders gewünscht, aber wir finden eine Lösung.“

    Kontrolle über Verhalten durch Angst oder Druck

    „Pass auf, sonst passiert etwas Schlimmes!“
    Erzeugt Angst als Steuerungsmechanismus, statt echtes Verständnis für Konsequenzen zu wecken.
    Besser: „Es wäre gut, vorsichtig zu sein, weil …“

    „Nur wer hart arbeitet, erreicht etwas im Leben.“
    Verknüpft Selbstwert ausschließlich mit Leistung und verhindert Erholung oder Kreativität.
    Besser: „Erfolg hat viele Faktoren – auch Pausen und Inspiration gehören dazu.“

    „Wer nicht hören will, muss fühlen.“
    Fördert Gehorsam aus Angst statt aus Verständnis.
    Besser: „Es ist wichtig, die Konsequenzen zu verstehen – lass uns drüber reden.“

    „Das gehört sich nicht!“
    Ein vages Argument ohne echte Begründung, um Verhalten zu steuern.
    Besser: „In unserer Kultur wird das oft anders gemacht, aber du kannst selbst entscheiden.“

    „Jungs weinen nicht!“ / „Mädchen sind nicht laut!“
    Fördert Geschlechterklischees und unterdrückt authentische Persönlichkeitsentwicklung.
    Besser: „Gefühle und Ausdruck sind für alle Menschen wichtig.“

    „Du musst dich nur genug anstrengen, dann schaffst du es.“
    Ignoriert äußere Faktoren wie Privilegien, Chancenungleichheit oder Zufall.
    Besser: „Fleiß hilft, aber manchmal braucht es auch Glück und Unterstützung.“

    Kontrolle durch gesellschaftliche Normen

    „Komm schon, lächle mal!“
    Erzwingt eine Emotion und leugnet die aktuelle Gefühlslage.
    Besser: „Ich merke, dass du nicht so gut drauf bist. Ist alles okay?“

    „Du musst einfach positiv denken!“
    Setzt unter Druck, sich nicht mit echten Problemen auseinanderzusetzen.
    Besser: „Ich weiß, es ist schwer. Ich bin für dich da.“

    „Anderen geht es noch viel schlechter als dir.“
    Vergleicht Probleme und macht das eigene Leid ungültig.
    Besser: „Ich verstehe, dass das gerade schwer für dich ist.“

    Wir sind unser eigenes Limit

    Wir haben die Macht, unsere eigenen Glaubenssätze zu verändern und neu zu formen. Aus einem „Ich bin nicht gut genug!“ kann ein „Ich bin gut!“ werden.

    Schreibe dazu einmal alle Glaubenssätze nieder, die du in dir finden kannst. Und dann fange mit einem an, den du anpassen möchtest. Wenn du nicht weißt, welchen du ändern möchtest, dann suche dir den aus, der die positivste Veränderung für dich bringen wird.

    Formuliere den Glaubenssatz in eine positive Affirmation um, zum Beispiel: „Ich kann XY nicht!“, zu „Ich habe noch nicht gelernt, XY zu können, aber ich habe das Potenzial, XY zu lernen.“

    Hänge die positiv formulierte Affirmation präsent auf und betrachte sie mehrmals am Tag.

    Gut Ding will Weile haben

    Auch wenn du dir am Anfang selbst nicht glauben kannst, deine Formulierung liest und denkst, dass das Quatsch ist, unterschätze nicht die Macht der Gedanken. Manchmal braucht es ein paar Tage, manchmal Wochen, Monate oder Jahre Glaubenssätze zu verändern – je nachdem wie tief sie in uns verankert sind.

    Also habe Geduld und sei freundlich zu dir!

  • Sicher oder gefangen? Die Illusion der Kontrolle

    Sicher oder gefangen? Die Illusion der Kontrolle

    Kontrolle vermittelt oft ein Gefühl von Sicherheit, weil sie uns glauben lässt, dass wir Ereignisse, Menschen/Beziehungen oder unsere Umgebung steuern können. Doch dieses Gefühl ist trügerisch, denn echte Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Anpassungsfähigkeit, Vertrauen und Resilienz.

    Wie entsteht das Bedürfnis nach Kontrolle?

    Kontrolle versucht der Angst nach Verletzung entgegenzuwirken. Wenn wir in unserer Vergangenheit Ohnmacht (zum Beispiel durch Missbrauch, Vernachlässigung, einem emotional instabilen Umfeld, …) erlebt haben, versuchen wir durch Kontrolle den erneuten Schmerz zu vermeiden.

    Kontrolle wird dann zu einer Schutzstrategie: „Wenn ich alles im Griff habe, kann mir nichts Schlimmes passieren.“

    Wenn jemand in einem instabilen Umfeld aufgewachsen ist, kann sich die Überzeugung entwickeln: „Ich muss alles selbst regeln, sonst geht es schief.“

    Strenge oder kontrollierende Eltern können ebenfalls dazu führen, dass man als Erwachsener entweder Kontrolle über andere sucht oder sich selbst extrem reguliert.

    Wie zeigt sich Kontrolle in unseren Beziehungen?

    In Beziehungen kann Kontrolle entstehen, wenn man Angst hat, verlassen oder verletzt zu werden. Dies passiert auch oft in unserem Unterbewusstsein, sodass wir gar nicht merken, dass wir versuchen Kontrolle auszuüben.

    Menschen mit unsicherer Bindungserfahrungen (z. B. wechselhafte oder emotional distanzierte Bezugspersonen) neigen dazu, Nähe durch Kontrolle zu sichern.

    Das kann sich allerdings auch komplett gegenteilig äußern. Menschen mit Bindungsangst tendieren daher dazu, Beziehungen, die zu gut laufen, zu beenden. Sie haben Angst, dass der Partner zu Nahe kommt und damit sieht, wie „defekt“ sie sind und sie zurückweist, daher beenden sie die Beziehung, um die Kontrolle zu behalten.

    Helikoptereltern sind ein gutes Beispiel für übermäßige Kontrolle als Schutzmechanismus. Sie versuchen, ihre Kinder vor allen möglichen Gefahren, Fehlern oder Enttäuschungen zu bewahren – oft aus ihren eigenen Ängsten oder Erfahrungen heraus: „Ich will nicht, dass mein Kind das durchmacht, was ich erlebt habe.“

    Es gibt viele weitere, subtilere Beispiele:

    • Der Beifahrer, der immer mit bremst.
    • Die Freundin, die alle Entscheidungen trifft.
    • Der Freund, der in jeder Konversation und bei jedem Treffen dabei sein muss.
    • Die Freundin, die ständig checkt, wo man ist.
    • Der Freund, der dich unterbewusst klein hält.
    • Die Chefin, die jede Kleinigkeit überprüft (Stichwort: Mikromanagement)
    • Der Kollege, der immer helfen will.

    Perfektionismus ist oft auch eine subtile Form der Kontrolle: Wer glaubt, alles perfekt machen zu müssen, versucht unbewusst, Fehler, Kritik oder Ablehnung zu vermeiden. Diese Denkweise entsteht häufig aus Erfahrungen, in denen Fehler oder Schwäche bestraft wurden.

    Warum ist Kontrolle eine Illusion?

    Egal wie sehr wir planen, externe Einflüsse (z. B. das Verhalten anderer Menschen, wirtschaftliche Entwicklungen, Naturereignisse) bleiben unkontrollierbar.

    Wenn wir uns zu sehr auf Kontrolle fixieren, ignorieren wir kreative Lösungen oder Chancen, die sich durch Flexibilität und auch dem Input unserer Mitmenschen ergeben.

    Gerade in Beziehungen rauben wir uns selbst der guten Erfahrungen. Ja, es ist möglich verletzt zu werden, doch man kann keine tiefe Liebe und Verbundenheit ohne echte Verletzlichkeit erfahren!

    Kontrolle gibt uns nur scheinbar Sicherheit, doch wahre innere Stabilität entsteht, wenn wir lernen, mit Unsicherheiten umzugehen, anstatt sie zwanghaft vermeiden zu wollen.

    Der Weg aus dem Kontrollzwang

    • Bewusstmachen: Erkennen, dass Kontrolle eine Schutzstrategie ist, hilft, sie loszulassen.
    • Akzeptanz lernen: Unsicherheit gehört zum Leben – und ist oft weniger bedrohlich, als unser Verstand uns weismachen will.
    • Vertrauen entwickeln: In sich selbst, in andere und in den Prozess des Lebens.
    • Innere Sicherheit aufbauen: Durch Selbstregulation lernen, sich selbst in unsicheren Momenten zu beruhigen.

    Letztendlich ist Kontrolle eine Illusion – aber Vertrauen in sich selbst ist eine echte Stärke.