Nachdem wir gelernt haben, was das Ego ist und wie sich seine Geschichten auf uns auswirken, wollen wir uns doch einmal den verschiedenen Narrativen widmen.
Was gibt es für Narrative?
Da draußen kursieren viele Geschichten und Narrative, die teils sehr individuell sind. Es gibt dennoch einige typische Ego-Stories, die häufig vorkommen:
1. Die Opfergeschichte
„Die Welt ist gegen mich.“ Menschen in dieser Geschichte sehen sich oft als Opfer der Umstände, anderer Menschen oder des Lebens im Allgemeinen.
Beispiele: „Ich kann nie etwas richtig machen.“ / „Niemand versteht mich.“
2. Die Heldengeschichte
„Ich bin der Retter.“ Diese Story dreht sich um die Wahrnehmung, dass man immer Probleme lösen oder anderen helfen muss.
Beispiele: „Ohne mich würde hier nichts funktionieren.“ / „Ich opfere mich für andere auf.“
3. Die Versagergeschichte
„Ich bin nicht gut genug.“ Menschen mit dieser Story fühlen sich oft minderwertig oder inkompetent.
Beispiele: „Ich schaffe das nie.“ / „Ich bin nicht talentiert genug.“
4. Die Erfolgsgeschichte
„Ich muss erfolgreich sein.“ Diese Story basiert auf der Idee, dass der eigene Wert durch äußere Erfolge definiert wird.
Beispiele: „Ich bin nur etwas wert, wenn ich mehr erreiche als andere.“ / „Ich darf keine Schwäche zeigen.“
5. Die Rebellengeschichte
„Ich bin anders als alle anderen.“ Diese Story betont die Abgrenzung von Normen und Regeln.
Beispiele: „Ich mache die Dinge auf meine Weise.“ / „Niemand versteht meine Vision.“
6. Die Romantiker-Geschichte
„Ich suche die perfekte Verbindung.“ Menschen in dieser Story idealisieren Beziehungen oder suchen einen Lebenssinn durch andere.
Beispiele: „Ohne Liebe bin ich nichts.“ / „Ich brauche jemanden, der mich vervollständigt.“
7. Die Kontrollgeschichte
„Ich muss alles kontrollieren.“ Diese Story dreht sich um den Wunsch, die eigene Umwelt, andere Menschen und Ergebnisse zu steuern.
Beispiele: „Wenn ich es nicht mache, läuft es schief.“ / „Ich darf keine Fehler machen.“
8. Die Unabhängigkeitsgeschichte
„Ich brauche niemanden.“ Diese Story betont Autonomie und meidet Abhängigkeiten.
Beispiele: „Ich komme alleine klar.“ / „Ich lasse niemanden zu nah an mich heran.“
9. Die Sucher-Geschichte
„Ich bin auf der Suche nach meinem wahren Selbst.“ Menschen in dieser Story fühlen sich oft unfertig oder verloren.
Beispiele: „Ich muss herausfinden, wer ich wirklich bin.“ / „Ich brauche mehr Zeit, um mich zu finden.“
Warum lohnt es sich, sich von Narrativen freizumachen?
Möchtest du freiwillig in einem Gefängnis wohnen, von Wärtern bewacht und von außen deinen Tag diktiert bekommen? Nein? Dann ist das dieselbe Argumentation, die hier auch greift!
Diese Art Geschichten verhindern, dass wir den Job ausüben, den wir eigentlich wollen, dass wir in Beziehungen festhängen, die uns nicht guttun, dass wir die Reise nicht machen, die wir schon so lange tun wollen, …
Das Ego ist von Angst geprägt und hält unsere Freiheit zurück – eigentlich um uns zu schützen. Wäre es nicht schöner, wirklich frei entscheiden zu können?
Wie komme ich aus der Geschichte raus?
Ego-Stories sind narrative Muster oder innere Geschichten, die Menschen über sich selbst erzählen. Sie formen das Selbstbild und beeinflussen, wie man die Welt wahrnimmt und auf sie reagiert. Meist läuft das Muster in unserem Unterbewusstsein ab und ist häufig schon so in unseren Alltag integriert, dass wir die Unterschiede nicht mehr wahrnehmen.
Je nach Prägung und Geschichte gibt es verschiedene Ansätze aus der Geschichte herauszukommen. Das Wichtigste, was alle Stränge gemeinsam haben, ist innehalten und den Moment wahrnehmen – nicht urteilen, nicht ändern, einfach wahrnehmen! Alles Weitere kommt dann automatisch ins Rollen …
