It’s all about Sicherheit

Wir Menschen sind evolutionär auf Verbindung geeicht – ohne Verbindung können wir nicht überleben (Stichwort: Kaspar-Hauser-Experiment)! Verbindung gibt es in den verschiedensten Formen und kann durch das Wort „Liebe“ vereinfacht werden.

Schon von klein auf sehnen wir uns nach der Liebe unserer Bezugspersonen, im Erwachsenenalter wollen wir die Liebe unserer Freunde und Partner.

Wenn wir jetzt etwas philosophischer werden, könnte man sogar so weit gehen und sagen, dass unser gesamtes Handeln darauf ausgelegt ist, Liebe zu bekommen. Was genau ich damit meine, werde ich später genauer beschreiben.

Welche Formen der Liebe gibt es?

Als Erstes gibt es die Liebe zu unseren Eltern und engen Bezugspersonen aus der Kindheit. Diese ist tief in uns verankert und meist suchen wir danach am stärksten. Sie prägt uns, wie wir später Liebe für uns selbst und andere empfinden und leben können.

Die Liebe zu unseren Kindern ist eine ganz besondere Form von Liebe. Sie ist ebenfalls tief in uns verankert und lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Sie ist einfach da und wird auch nie wieder gehen.

Wir spüren auch Liebe zu unseren Freunden. Freundschaften sind spezielle Verbindungen, die uns entweder durch bestimmte Phasen des Lebens begleiten oder in manchen Fällen sogar ein Leben lang da sind.

Die romantische Liebe ist die intimste und häufig auch herausforderndste Form der Liebe. Wie auch in Freundschaften haben wir keinen Einfluss darauf, ob unsere Liebe erwidert wird.

Die wichtigste Form ist die Selbstliebe. Ohne sie haben wir keine Kapazität, anderen Liebe zu geben. Die Selbstliebe liegt zu 100 % in unserer eigenen Verantwortung.

Es gibt noch weitere Formen von Liebe, zum Beispiel Haustieren gegenüber, oder gegenüber einem/dem Gott für religiöse Menschen.

Was ich nicht als Liebe bezeichnen möchte, ist die Liebe gegenüber Gegenständen oder Hobbys. Der Unterschied für mich ist hier, dass wir keine Verbindung spüren können, sondern das eher eine Art von Erfüllung und Freude darstellt.

Was hat Liebe mit Sicherheit zu tun?

Unser Nervensystem sucht nach Sicherheit – man bedenke, dass der Tod früher viel präsenter war, als er jetzt ist. Eine Hauptaufgabe unseres Nervensystems ist es daher, uns in Sicherheit zu wissen! Sich sicher zu fühlen, bedeutet für unser Nervensystem natürlich die physische, aber auch die emotionale Sicherheit. Wie eingangs schon erwähnt, ist die Verbindung mit anderen Menschen für uns überlebenswichtig!

Wenn wir davon ausgehen, dass eines unserer größten Bedürfnisse im Leben die Liebe, respektive die Verbundenheit zu wichtigen Menschen ist, dann können wir unser Handeln von einer anderen Perspektive beleuchten.

Nehmen wir jemanden, der die Tendenz hat, zu viel zu arbeiten. Diese Person kann oft schlecht Grenzen setzen und spürt den Drang, den Kollegen, dem Chef oder dem Kunden zu helfen – nicht selten auf Kosten eigener Bedürfnissen und seiner Gesundheit. Wo ist hier die Selbstliebe?

Ein weiterer Antrieb kann die Anerkennung der Leistung sein. Wenn ich viel arbeite, eine steile Karriere habe und gut Geld verdiene, dann erhalte ich Anerkennung. Wenn man jetzt die Perspektive umdreht, dann hat dieser Mensch Angst davor nicht geliebt zu werden, wenn er nicht leistet und liefert: Er als Mensch fühlt sich nicht gut genug und muss sich die Liebe erst verdienen!

Nun bringen wir den Sicherheitsaspekt ein und verändern die Perspektive erneut aus der Sicht von jemandem, der sicher in sich selbst ist: Ich arbeite gerne viel, da ich es liebe zu lernen und an meinen Herausforderungen zu wachsen. Ich arbeite aber nicht zu viel, weil ich genügend Selbstliebe und Achtsamkeit besitze, um rechtzeitig meine Grenzen zu setzen. Auch arbeite ich nicht um, im Außen eine Bestätigung zu erhalten, sondern um einen Wert für mich, mein Umfeld oder in der Welt zu schaffen.

Der randalierende Jugendliche, der durchweg nur provoziert und „sich einfach nicht benehmen kann“, ist genauso auf der Suche nach seinem Platz und nach Liebe, wie der Narzisst, der permanent sein Umfeld manipuliert, oder der Workaholic.

Diese Menschen handeln allerdings aus Angst heraus, nicht geliebt zu werden. Was wäre, wenn wir den Spieß umdrehen und aus Liebe, statt aus Angst handeln?

Der Schlüssel ist die Selbstliebe – die Sicherheit in uns selbst

Die meisten Menschen suchen zuerst nach der Liebe im Außen und für Kinder ist das überlebenswichtig. Als Erwachsener liegt der Schlüssel jedoch in unserem Inneren.

Wir können die Sicherheit in uns selbst stärken, indem wir

  • … lernen, Zeit alleine zu verbringen.
  • … uns nach Innen, statt nach Außen zu orientieren.
  • … Schmerz und unangenehme Gefühle, die aufkommen, passieren zu lassen, ohne zu urteilen und ohne sie vermeiden zu wollen.
  • … uns Hilfe bei Menschen, die uns verstehen, oder professioneller Art zu holen.
  • … uns von alten Glaubenssätzen und Ego-Storys lösen.
  • … uns von ungesunden Beziehungen und Dynamiken lösen.
  • … Achtsamkeit lernen. Eine Übung hierfür: Welche 5 Dinge siehst, hörst, riechst, fühlst du gerade?
  • … auf unser Bauchgefühl hören.
  • … uns so wahrnehmen, wie wir über uns selbst reden. Rede freundlich und wohlwollend über dich und zu dir!

Sicher in sich selbst zu sein und aus Liebe für sich und andere handeln heißt zum Beispiel:

  • Gerne alleine Zeit zu verbringen
  • Seine Bedürfnisse zu kennen, zu priorisieren und formulieren zu können und umgekehrt auch die Bedürfnisse anderer anerkennen und akzeptieren zu können
  • Grenzen setzen zu können und Grenzen anderer zu wahren
  • Einen Menschen, den man liebt, ziehen zu lassen, wenn es nötig ist
  • Völlig präsent in der Interaktion mit anderen zu sein
  • Entscheidungen ohne Angst treffen zu können
  • Für sich einstehen zu können
  • Ohne Urteil über andere und sich selbst leben zu können

Wir haben nun viel über die emotionale Sicherheit gesprochen, die allerdings eine physische Sicherheit voraussetzt. Vielen Menschen auf der Welt ist diese Sicherheit vorenthalten und sie sind von häuslicher Gewalt, Krieg und anderer Art von Gewalt betroffen. Es ist daher für jeden ein Privileg, der physisch sicher ist und die Chance hat, beide Formen von Sicherheit fühlen zu dürfen!