Wenn wir an Ego denken, kommt uns häufig ein Typ mit fettem Auto, herausstechenden Klamotten und sehr selbstbewusstem Auftreten in den Sinn: „Boah, dieser Typ mit seiner fetten Karre … der hat es echt nötig, hat wohl ein kleines Ego!“ Was uns dabei nicht bewusst ist, ist, dass aus uns ebenfalls unser Ego spricht.
Das Wichtigste zusammengefasst:
- Das Ego ist die Stimme im Kopf, die urteilt.
- Das Ego ist ein evolutionärer Schutzmechanismus, den es im Erwachsenenleben nicht mehr braucht.
- Das Ego füllt die Pause mit eigenen Geschichten, um uns vor Schmerz und Unbehagen zu schützen.
- Wahrnehmen und verstehe, dass es nur eine Geschichte im Kopf ist, hilft in den ersten Schritten.
Was ist das Ego?
Wir alle haben Stimmen im Kopf, die Situationen analysieren und „sich Gedanken“ machen. Das Ego zeichnet sich dadurch aus, dass es urteilt.
Nehmen wir an, wir laufen auf der Straße, uns begegnet jemand, schaut uns an, grüßt aber nicht. Je nachdem fängt unsere Stimme im Kopf an, die Situation zu bewerten: „Der war aber unhöflich!“ „Kann man nicht mal Hallo sagen!“ Oder in einer anderen Storyline: „Der findet mich bestimmt nicht hübsch genug zum Grüßen“ „Wahrscheinlich hat er meinen Fleck auf dem Oberteil gesehen und grüßt deshalb nicht!“ …
Am Ende ist die Geschichte, dass uns jemand begegnet ist und nicht gegrüßt hat. Punkt. Wir wissen nicht, ob die Person uns wirklich wahrgenommen hat, was in ihr vorgeht und weiteres. Und statt das Unbekannte unbekannt zu lassen, befüllt es unser Ego mit einer Geschichte.
Woher kommt die Ego-Stimme?
Unser Ego war in unserem frühen Leben unser Beschützer. Unser Nervensystem ist evolutionär auf Kampf, Flucht und Erstarren ausgelegt, um uns in Gefahrensituationen vor dem Tod zu retten. Diese Mechanismen werden auch bei Verbindungsverlust zu unseren Bezugspersonen in emotional schwierigen Situationen ausgelöst. Man darf nicht vergessen, ein Baby oder Kleinkind ist ohne Eltern dem Tod geweiht – das ist in unserem Nervensystem tief verankert.
Haben wir also Verbindungsverluste, weil unsere Bezugspersonen emotional nicht verfügbar sind, gerät unser Nervensystem in einen Ausnahmezustand. Können die Bezugspersonen die Verbindung zügig wieder aufnehmen, alles gut. Meistens liegt dahinter aber ein tieferes, gelerntes Muster, das die Situation ohne Verbindung enden lässt. Bei dem Kind wird das Nervensystem alarmiert und es beginnt Überlebensstrategien zu finden. Eine davon ist das Ego, die Stimme der Angst, die uns eigentlich nur beschützen will.
Was macht das Ego im Erwachsenenalter?
Im Erwachsenenalter kann man sagen, dass das Ego nur hinderlich ist. Es schränkt uns in unserer Wahrnehmung ein, raubt uns Entdeckerfreude, schürt die Angst und nimmt uns damit unsere Freiheit!
Wir interpretieren Dinge in Situationen, die wir oft gar nicht wissen oder beurteilen können und verbauen uns damit Chancen.
Unser Ego kann schlecht mit Pausen oder emotionalem Unwohlsein umgehen und versucht deshalb das Vakuum mit seiner Meinung zu füllen.
Wie geht man mit der Stimme im Kopf um?
Stefanie Stahl sagt immer „erkennen und umschalten“. Das wichtigste ist zu erkennen, wenn man urteilt und das reicht häufig schon völlig aus.
Wir sind nicht unsere Gedanken und wir sind nicht unsere Gefühle. Wir erleben beides lediglich. Wenn also unser Ego das Steuer übernimmt, können wir uns zurücklehnen, Popcorn holen und je nachdem ein spannendes Theater erleben. Der Autor lässt sich da so manches einfallen 😊
